Möbeldesign der Nachkriegszeit
Made in Austria
Das Möbelmuseum Wien, eine der größten Möbelsammlungen der Welt, zeigt in der derzeit laufenden Sonderausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“ österreichisches Möbeldesign aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Es war die Zeit des Wiederaufbaus. In Wien wurden während der Kriegshandlungen und aufgrund von Bombentreffern öffentliche Gebäude, Industrieanlagen und 187.000 Wohnungen beschädigt oder zerstört.
Standen zu Beginn der Wiederaufbau und die Errichtung neuer Gebäude und Wohnungen im Vordergrund, rückte danach die Inneneinrichtung in den Mittelpunkt. Die Ausstellung zeigt sowohl die neuen Einrichtungen von öffentlichen Gebäuden am Beispiel der Präsidentschaftskanzlei und des Bundeskanzleramtes, als auch neue Entwicklungen wie den Einzug der italienischen Espresso-Kultur und die damit in Verbindung stehende Einrichtung moderner Cafés wie des „Arabia Espresso“ am Kohlmarkt.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Einrichtung von Wohnungen. Nach 1945 wurde in Wien das bereits in der Zwischenkriegszeit begonnene kommunale Wohnbauprogramm wiederaufgenommen. Für die neu gebauten Wohnungen wurde erschwingliche, zeitgemäße Einrichtung benötigt.
Grundlage des Neuanfangs in der Herstellung von Möbeln war die Zusammenarbeit von innovativen Unternehmen und traditionsreichen Werkstätten mit gut ausgebildeten DesignerInnen, wobei es damals vorwiegend ArchitektInnen waren, die sich dem Möbeldesign widmeten. Dazu gehörten auch die ArchitektInnen Anna-Lülja Praun und Margarete Schütte-Lihotzky.
Entscheidende Anstöße für die Möbelproduktion in Österreich lieferten die 1950 im „Messepalast“ präsentierte Ausstellung „Die Frau und Ihre Wohnung“ sowie das „SW“-Möbelprogramm.
Das SW-Möbelprogramm entstand im Rahmen des von der Stadt Wien und der Gewerkschaft der Bau-und Holzarbeiter des ÖGB gegründeten Vereins „Soziale Wohnkultur“, der Träger des Möbelprogramms war. Der Verein nahm die Hersteller unter Vertrag, finanzierte die Möbelproduktion vor, ließ eine Produktpalette entwickeln und legte Qualitätsmaßstäbe fest.
Im Jahr 1954 konnten die ersten Möbel in Produktion gehen, bereits 1956 wurde ein SW-Verkaufskatalog mit dem gesamten Angebot herausgegeben. Für die KundInnen waren günstige Kredite bzw. langfristige Teilzahlungsmöglichkeiten vorgesehen.
Das Hauptaugenmerk lag auf schön gestalteten, zweckmäßigen, preisgünstigen und handwerklich hochwertigen Möbeln für alle Lebensbereiche.

Mit rund 130 Ausstellungsstücken aus dem eigenen Bestand bietet das Möbelmuseum Wien die Möglichkeit die Geschichte der Nachkriegszeit aus dem Blickwinkel der Einrichtungsgestaltung sowie das Möbeldesign im Österreich der Jahre 1948 bis 1960 kennenzulernen.
Die Ausstellung ist im Möbelmuseum Wien bis 8. Dezember 2026 zu sehen!
Adresse: Möbelmuseum Wien, Andreasgasse7, 1070 Wien https://www.moebelmuseumwien.at/
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr
Begleitpublikation zur Ausstellung: Eva B. Ottillinger, Made in Austria. Möbeldesign 1948–1960. Böhlau Verlag, Wien 2026
