Miao Ying

Miao Ying

Schnittstelle Kunst und Künstliche Intelligenz

Über Geräte wie das Smartphone oder Tablet und über Apps hat die Künstliche Intelligenz bereits in unseren Alltag Einzug genommen. Daher ist auch von besonderem Interesse, wie sich KünstlerInnen mit dieser neuen Technologie auseinandersetzen und sie in ihr künstlerisches Schaffen einbeziehen. Ein besonderes Beispiel dafür ist die Ausstellung „Come, Sit, Stay“ der aus China stammenden und in New York lebenden Künstlerin Miao Ying.

Miao Ying (Miao ist der Familienname, Ying der Vorname), wurde 1985 in Shanghai, China, geboren und ist dort aufgewachsen. Seit ihrer Kindheit wurde sie professionell in Zeichnung und Malerei unterrichtet. Sie studierte an der China National Academy of Arts in Hangzhou mit Schwerpunkt New Media Art und anschließend Electronic Integrated Arts an der Alfred University in New York.

Miao Ying. Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Allgemein formuliert beschäftigt Miao Ying sich seit etwa zwei Jahrzehnten damit, wie digitale Technologien unser Zusammenleben verändern und welche Folgen sie für die Gesellschaft haben. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Untersuchung digitaler Technologien und ihrer gesellschaftlichen sowie politischen Auswirkungen in einer global vernetzten Welt und im modernen China. Dabei beleuchtet sie insbesondere die Funktionsweisen digitaler Überwachung, staatlicher Zensur und sozialer Medien.

In ihrer forschungsbasierten künstlerischen Arbeit verbindet sie Malerei, Video, Sound und Installation. Ihre künstlerische Entwicklung begann sie mit der Auseinandersetzung mit der chinesischen Internetzensur, danach folgte die Einbeziehung von Virtual Reality, Game-Engines und Machine Learning in ihre Arbeit und seit 2019 konzentriert sich Miao Ying auf Künstliche Intelligenz.

In ihrer ersten musealen Einzelausstellung in Europa präsentiert sie ihre Werke in einer eigens für das Belvedere 21 entwickelten Rauminstallation. Mit dem Titel der Ausstellung „Come, Sit, Stay“ verweist sie ironisch auf Standardbefehle beim Training von Hunden und auf die Annahme der Menschen, Künstliche Intelligenz trainieren, lenken und kontrollieren zu können und verweist gleichzeitig auf die Frage der Mitverantwortung bei dieser technologischen Entwicklung.

Im Mittelpunkt steht dabei eine für die Ausstellung entwickelte Live-Simulation „Perfect Sameness Makes Difference“ von fantastisch -abstrakten Bildwelten auf großformatigen LED-Screens. Diese abstrakten Bildwelten werden durch KI-Systeme erzeugt, die nach Vorgaben der Künstlerin arbeiten. Gleichzeitig übersetzt eine weitere künstliche Intelligenz die Bildwelten live in eine sich kontinuierlich verändernde Klangkomposition. Ein Ausschnitt von „Perfect Sameness Makes Difference“ (3:35 min) ist auf YouTube https://www.youtube.com/watch?v=mFJLaMCJoao zu sehen.

Miao Ying, Training Landscapes No.17 – Bending reality with each quantum dance, Crafting a new world, where dimensions enhance, 2024 © Miao Ying, Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien. Foto: Markus Wörgötter © Bildrecht, Wien

In einem Interview hat die Künstlerin ausdrücklich festgehalten, dass die Vorgaben von der Künstlerin gemacht werden, da sie entscheidet, welche Daten eingegeben werden und die KI diese Vorgaben nur ausführt.

In der Ausstellung wird auch gezeigt, dass die Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz für Miao Ying über das Erzeugen von digitalen Bildern hinausgeht, da diese Bilder wieder in Malerei übertragen werden. Ausgehend von KI-generierten Motiven werden die Gemälde in Öl auf Leinwand von in China ausgebildeten MalerInnen umgesetzt und von Miao Ying fertiggestellt.

Miao Ying, Glorious Magic – Trained No.6, 2023 © Miao Ying, Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien. Foto: Markus Wörgötter © Bildrecht, Wien

Stella Rollig, die Generaldirektorin des Belvedere betont, dass das Belvedere 21 mit Miao Ying eine international bedeutende künstlerische Position an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und digitaler Kultur präsentiert und die Ausstellung dazu einlädt, die oft verborgenen Mechanismen digitaler Systeme und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen neu zu betrachten.

Interview mit Miao Ying (in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln, 1:48 min): https://www.youtube.com/watch?v=z6oOxTxWW_I

Die Ausstellung ist bis 4. Oktober 2021 im Belvedere 21 zu sehen!

Adresse: Belvedere 21,Arsenalstraße 1, 1030 Wien https://www.belvedere.at/besuch/belvedere-21

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11:00 -18:00 Uhr, Abendöffnung:Donnerstag bis 21 Uhr

Katalog zur Ausstellung: Miao Ying, Come, Sit, Stay. Hg. Stella Rollig, Sergey Harutoonian. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2026

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