Die Blattmacherinnen

Die Blattmacherinnen

Wortgewandt und selbstbewußt

Ariadne ist die 1992 gegründete frauen- und genderspezifische Informations- und Dokumentationsstelle an der Österreichischen Nationalbibliothek, deren zentrale Aufgabe es ist, historische und aktuelle Materialien zu Frauen, Feminismus und Genderforschung zu sammeln, zu erschließen und bereitzustellen. Ende der 1990er Jahre entwickelte Ariadne das digitale Archiv und Onlineportal „Frauen in Bewegung 1848–1918“, um historische Dokumente zur Frauenbewegung online zugänglich zu machen.

Die neue Online-Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek „Die Blattmacherinnen“ ist ein Projekt von Ariadne und wurde von Andrea Reisner und Andrea Gruber gestaltet.

Die Ausstellung ist in sechs Teile gegliedert, in denen durch Texte und anhand von Zeitungsausschnitten, Titelblättern, Dokumenten und Fotografien ein Einblick in die Bedeutung von Frauen im Journalismus, als Redakteurinnen und Herausgeberinnen im Wien um 1900 gegeben wird.

Der Beitrag „Frauen zwischen den Zeilen“ gibt einen allgemeinen Überblick über die Situation der Frauen im Journalismus in der Zeit der Jahrhundertwende. Schon damals schrieben sie in so verschiedenen Medien wie großen Tageszeitungen, Lokalzeitungen, Parteiblättern, Zeitschriften der Frauenbewegung, Modezeitschriften und Familien- und Unterhaltungsmagazinen.

Neben auch heute noch bekannten Namen von Journalistinnen, wie Berta Zuckerkandl oder der Kriegsberichterstatterin Alice Schalek, gab es viele weitere Frauen, die meist als freie Mitarbeiterinnen unter männlichen Pseudonymen schrieben (schreiben mussten), um publiziert zu werden. Das von Sophie Pataky im Jahr 1898 herausgegebene „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ enthält ein 72 Seiten (!) langes Verzeichnis der Pseudonyme.

Vorgestellt wird auch die erste Chefredakteurin eines politischen Blattes der österreichisch-ungarischen Monarchie, Milena Mrazović, die ab 1884 Redakteurin, ab 1886 Miteigentümerin und von 1889 bis 1896 Eigentümerin der „Bosnischen Post“, einer zweimal pro Woche in Sarajevo erscheinenden deutschsprachigen Zeitung, war.

Der Hauptteil der Online-Ausstellung widmet sich der Vorstellung von vier Frauen und ihren wesentlichen Leistungen im Bereich des Journalismus. Marie Lang hat mit Auguste Fickert und Rosa Mayreder die Zeitschrift der ersten Frauenbewegung „Dokumente der Frauen“, die von 1899-1902 erschienen ist, gegründet und herausgegeben. Diese Zeitschrift vertrat die Ideen der bürgerlichen Frauenbewegung, wie die Forderungen nach höherer Bildung, beruflicher und wirtschaftlicher Selbständigkeit der Frauen und dem Frauenwahlrecht und richtete sich an eine städtische, gebildete, bürgerliche Leserschaft.

Marie Lang (1858–1934), Gedenkblatt des Settlement für seine Mitglieder und Freunde, S. 27, Wien: Settlement, 1935

Adelheid Popp war seit der Gründung der Arbeiterinnen-Zeitung 1892 bei dieser Zeitung Redakteurin und hat sie – zu Beginn noch nicht offiziell – auch geleitet. Einerseits trauten die Männer den Frauen am Anfang die Leitung einer Zeitung nicht zu, andererseits konnte Adelheid Dwořak (verh. Popp), die nach damaligem Recht noch nicht volljährig war, erst nach ihrem 24. Geburtstag auch im Impressum ausgewiesen werden. Sie leitete die Arbeiterinnen-Zeitung bis 1919.

Nachdem sie als eine der ersten Frauen als Abgeordnete in den Nationalrat gewählt worden war, gab sie den Posten der verantwortlichen Redakteurin ab, blieb aber bis zum Verbot der Zeitung durch die Austrofaschisten im Jahr 1934 als Herausgeberin, Redakteurin und Autorin richtungsweisend. Diese Zeitung richtete sich von Anfang an an Fabriksarbeiterinnen, Dienstmädchen und Heimarbeiterinnen, thematisierte deren Lebens- und Arbeitsbedingungen, forderte gleiche Rechte und politische Teilhabe und informierte über die Positionen der sozialdemokratischen Frauenbewegung.

Bildbeschreibung: Adelheid Popp (1869–1939), Fotografie, o.J.

Hanny Brentano leitete von 1911 bis 1919 die „Österreichische Frauenwelt“, das 1911 gegründete Vereinsorgan der Katholischen Reichsfrauenorganisation. Die Zeitschrift, die ein traditionelles Frauenbild von der Frau als Mutter und Hausfrau vertrat, richtete sich vor allem an Leserinnen im ländlichen Raum.

Fanny Burckhard war in einem ganz anderen Bereich tätig: sie arbeitete für die ab1888 gegründete Zeitschrift „Wiener Mode“. Diese international erfolgreiche hochwertig gestaltete Zeitschrift verband Mode mit gesellschaftlichen Themen und sprach mit Artikeln und literarischen Beiträgen ein breites Publikum an. Unter dem Pseudonym Renée Francis schieb sie zahlreiche Beiträge und übernahm 1898 die Leitung der Redaktion, die sie bis 1921 führte. In dieser Zeit gelang es ihr auch, ein fortschrittlicheres Frauenbild zu unterstützen, wie beispielsweise durch Propagierung lockerer Reformkleidung für mehr Bewegungsfreiheit oder das Eintreten für das Radfahren als Fortbewegungsmöglichkeit auch für Frauen (einschließlich der Schnittmuster für geeignete Bekleidung).

Bildbeschreibung: Titelblatt der „Wiener Mode“, Jahrgang 10 (1897), Nr. 18

Den Sprung in die Gegenwart macht die Online-Ausstellung mit Interviews mit fünf Frauen, die heute in leitender Stelle in Zeitungen und Zeitschriften tätig sind, und die jeweils in kurzen, rund fünf Minuten dauernden, Beiträgen über ihre Tätigkeiten und Erfahrungen in der Medienwelt berichten.

Die Online-Ausstellung ist bis 23. März 2026 auf der Homepage der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen!

Die Blattmacherinnen https://ausstellung.onb.ac.at/online-ausstellungen/blattmacherinnen

Besondere Empfehlung der Spurensucherin!

weitere Links:

Ariadne: https://www.onb.ac.at/mehr/ariadne-frauen-und-genderspezifisches-wissensportal

Frauen in Bewegung 1848-1938: https://fraueninbewegung.onb.ac.at/

Hofburg – Lesesäle am Heldenplatz © Österreichische Nationalbibliothek/Pichler
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