Alles vergessen
Die Macht des Vergessens und der Erinnerung
Die Ausstellung „Alles vergessen“ im Museum am Judenplatz beschäftigt sich ausgehend von der Frage, wie tief das Vergessen in das Leben von Menschen und Gesellschaften eingreift und welche Spuren es in Erinnerung und Identität hinterlässt, aus kulturhistorischer Perspektive mit unterschiedlichen Formen des Vergessens.

Die Kuratorinnen Daniela Pscheiden (Jüdisches Museum Wien) und Dinah Ehrenfreund-Michler (Jüdisches Museum Hohenems) greifen dabei Anhand von ausgewählten Objekten und künstlerischen Positionen sehr unterschiedliche Aspekte des Themas auf.
Dabei geht es um die persönliche Auseinandersetzung mit Vergessen in den Selbstporträts eines an Alzheimer erkrankten Malers, die Aufarbeitung von Verfolgung und Vertreibung in einem Selbstporträt der Pionierin der Kunsttherapie Edith Kramer genauso wie um den vollständigen Ausschluss aus der Gemeinschaft durch den großen Bann im Judentum, wie ihn der Philosoph Baruch de Spinoza im 17. Jahrhundert erlebt hat.

Es geht aber auch darum, wer die Macht über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat und bestimmen kann, was vergessen werden soll und erinnerungswürdig ist. So hatte die nationalsozialistische Vernichtungspolitik auch zum Ziel, die Beweise des Massenmords zu beseitigen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es das Selbstverständnis als erstes Opfer des Nationalsozialismus und bewusste Verdrängen des Geschehenen, das die politischen Grundhaltungen Österreichs bis Mitte der 1980er-Jahre prägten, und erst durch die Waldheim-Affäre mit der Aufarbeitung begonnen wurde. Das im Staatsarchiv aufbewahrte Wehrstammbuch Waldheims ist in der Ausstellung zu sehen.

Die Auseinandersetzung mit dem Vergessen hat im Zeitalter der neuen Medien aber noch eine andere Form angenommen, heute geht es zum Beispiel um die uns alle betreffende Frage des Rechts auf Vergessen im Internet.
Zentral für die Ausstellung ist dabei, dass das Vergessen nicht als bloßes Fehlen von Erinnerung, sondern als aktiver Teil unseres Umgangs mit Geschichte und Gegenwart begriffen wird. Die Worte „Niemals vergessen“ verweisen nicht nur auf die Notwendigkeit der Erinnerung, sondern vor allem auf die Aufgabe, um Rahmen unserer Möglichkeiten Menschenrechte und Demokratie zu verteidigen und alles dafür zu tun, dass sich Diktatur, Gewaltherrschaft, Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung nicht mehr wiederholen.
Die Ausstellung ist noch bis 17. September 2026 zu sehen!
Adresse: Jüdisches Museum Wien, Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien https://www.jmw.at/besuchen
Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag 10:00-18:00 Uhr, Freitag 10:00-17:00 Uhr. Samstag geschlossen
Einführungsvideo: Zur Ausstellung gibt es ein ausgezeichnetes Einführungsvideo mit Kuratorin Daniela Pscheiden (4:22 min): https://www.youtube.com/watch?v=UUn8BJqgqJE
