Wiener Secession und Fotografie

Wiener Secession und Fotografie

Online-Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die neue Online-Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek, ein Projekt der Sammlung Bildarchiv und Grafiksammlung, ist dem Thema „Brennpunkt Moderne: Die Wiener Secession und die Fotografie“ gewidmet.

Grundlage für die Gestaltung dieser Ausstellung ist der herausragende fotografische Bestand von Bildarchiv und Grafiksammlung mit mehr als 700 Originalfotografien aus dem Archiv der Secession, die 1951 von der Österreichischen Nationalbibliothek erworben wurden.

Im Jahr 1897 war die Gruppe der Secessionisten, zu der u.a. Gustav Klimt, Kolo Moser, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich und Carl Moll gehörten, aus der Genossenschaft der bildenden Künste Wien (Künstlerhaus) ausgetreten, da sie sich gegen den dort vorherrschenden Konservatismus und den am Historismus orientierten Kunstbegriff wandten.

Gruppenporträt mit den beteiligten Künstlern an der 14. Ausstellung der Wiener Secession (sog. Beethoven-Ausstellung) Fotograf: Moriz Nähr, 1902 © Österreichische Nationalbibliothek

Sie gründeten die „Vereinigung bildender Künstler der Wiener Secession“, traten für neue, dem modernen Leben der damaligen Zeit entsprechende, Ausdrucksformen und für die Berücksichtigung der nationalen Avantgarde sowie von internationalen Künstlern im Kunstbetrieb ein. Mit ihrer Ausstellungstätigkeit machten sie Wien zu einem Zentrum der Kunst der Moderne.

Gustav Klimt wurde zu ihrem ersten Präsidenten gewählt und hatte diese Funktion von 1897 bis 1899 inne. Das Ausstellungsgebäude mit seiner schmiedeeisernen, vergoldeten Kuppel wurde in den Jahren 1897/1898 vom Architekten Joseph Maria Olbrich erbaut.

Gebäude der Wiener Secession. Foto: Elisabeth Kolbry

Seit der Gründung der Secession spielte die Fotografie eine wichtige Rolle, da Vertreter der zeitgenössischen Kunstfotografie und Fotografen Teil des Netzwerkes der Künstler der Secession waren. Damit wurde einerseits die Künstlerische Fotografie durch Veröffentlichungen in der Zeitschrift der Secession, Ver Sacrum, und durch die Einbeziehung in Ausstellungen als Teil der Avantgardekunst anerkannt.

Andererseits spielte die Fotografie für die Öffentlichkeitsarbeit der Wiener Secession eine zentrale Rolle, für die Dokumentation der innovativen Ausstellungsgestaltung in Ausstellungskatalogen und Berichte in internationalen Kunstzeitschriften genauso wie für den Vertrieb von Ansichtskarten zur Bewerbung.

Ein Aspekt verdient besondere Erwähnung: Die von Moriz Nähr angefertigten Fotografien der Ausstellungen der Secession. Durch die Veröffentlichung in zeitgenössischen Kunstzeitschriften wurde die revolutionäre Ausstellungsarchitektur der Secession international bekannt gemacht und fand rasch Verbreitung auch in anderen Ländern.

„Beethovenfries“ mit den Fresken „Die Feindlichen Gewalten“ von Gustav Klimt, an der Schmalwand des linken Seitensaales, Fotograf: Moriz Nähr, April–Juni 1902 © Österreichische Nationalbibliothek

Dieses damals moderne Wiener Ausstellungsdesign der Einzelpräsentation der Kunstwerke löste die sog. Salonhängung ab und prägt die Art und Weise, wie Bilder gehängt und präsentiert werden, bis heute. Unter Salonhängung versteht man die in Paris im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts in Anlehnung an die privaten Bildergalerien des europäischen Adels eingeführte Präsentationweise, in der die Gemälde vom Boden bis zur Decke dicht nebeneinander gehängt wurden.

Die Online-Ausstellung führt in mehreren Kapiteln in die verschiedenen Aspekte der Verbindung der Secessionisten mit der Fotografie ein. Ausgehend von den privaten Berührungspunkten der Wiener Kunstszene, der zu einem Dialog zwischen Kunst und Fotografie führte, die Proklamation von Fotografie als Kunst in der Zeitschrift der Secessionisten, Ver Sacrum, und die Kunstfotografie, die in Ausstellungen der Secession Eingang gefunden hat, bis hin zur Raumkunst der Moderne und die Dokumentation der Secessionsausstellungen sowie der Öffentlichkeitsarbeit der Wiener Secession.

Durch die Einbeziehung der Fotografie als Kunst und Werbeträger bietet die sehr gut aufbereitete Online-Ausstellung einen neuen, erweiterten Blick auf die Kunst der Jahrhundertwende.

Link:

Online-Ausstellung „Brennpunkt Moderne: Die Wiener Secession und die Fotografie“: https://ausstellung.onb.ac.at/online-ausstellungen/brennpunkt-moderne-die-wiener-secession-und-die-fotografie

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