Egon Schiele & Anton Peschka

Egon Schiele & Anton Peschka

Eine Künstlerfreundschaft mit Folgen

Mit der kleinen, sehr schön gestalteten Sonderausstellung „Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung“ wird der Nachlass von Anton Peschka jun. und der Künstlerfamilien Schiele und Peschka erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Plakat zur Ausstellung: Johannes Fischer: Portrait Egon Schiele, 1915; Ludwig Grillich: Portrait Anton Peschka, 1909; Kinderzeichnung aus dem Nachlass Anton Peschkas, um 1932; Wien Museum | Grafik: Büro Perndl

Anton Peschka jun. hat seinen gesamten Nachlass, der mehrere tausend Objekte umfasst, der Stadt Wien unter der Bedingung, dass die wichtigsten Objekte unter dem Titel „Sammlung Peschka“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, vermacht.

Die Bedeutung dieses Nachlasses liegt darin, dass er sowohl seine eigene Hinterlassenschaft, als auch diejenigen seiner Eltern Gerti Schiele-Peschka (der Schwester Egon Schieles) und Anton Peschka, als auch Teile des Nachlasses seines Onkels Egon Schiele umfasst.

Insgesamt umfasst der Nachlass einige tausend Objekte, darunter eine Vielzahl von Kunstwerken, Zeichnungen und bedeutenden Gemälden. Gezeigt wird eine Auswahl an originalen Ölgemälden von Anton Peschka sen. und Egon Schiele, wie die „Junge Mutter“ oder „Mödling II“, vor allem auch bisher unbekannte Kinderzeichnungen und Jugendwerke von Egon Schiele und die originalen Möbel aus seinem Atelier. Darunter Egon Schieles originale Glasvitrine, die durch Fotos dokumentiert und samt ihrem Inhalt erhalten geblieben ist, und ein Musterbeispiel einer Künstlersammlung der Zeit um 1900 darstellt.

Johannes Fischer, Egon Schiele mit seiner Sammlung, 1915/16, ALBERTINA, Wien | Image: ALBERTINA, Wien

“Man könnte meinen, über Egon Schiele sei bereits alles gesagt. Doch Peschkas überraschend großer Nachlass ermöglicht es, Schieles Leben und Werk in einigen Aspekten ganz neu zu beleuchten.“ (Ursula Storch, Kuratorin der Ausstellung)

Die Verbindung der Familien Schiele – Peschka geht auf die gemeinsame Studienzeit von Egon Schiele (1890 – 1918) und Anton Peschka (1885 – 1940) zurück. Im Jahr 1906 haben sie sich an der Akademie der bildenden Künste kennengelernt, wo sie Studienkollegen waren und später auch enge Freunde wurden. Durch Egon Schiele lernte Peschka dessen jüngere Schwester Gertrude/Gerti (1894 – 1981), kennen. Gertrude und Anton heirateten 1914 und hatten vier Kinder.

Gemälde von Anton Peschka sen. Ausstellungsansicht. Klaus Pichler, Wien Museum

Während des Ersten Weltkriegs eingerückt, verlor Anton Peschka sen. den Anschluss an die Malerei der Avantgarde. Obwohl er dem Hagenbund und der Salzburger Künstlervereinigung Wassermann angehörte, konnte er an seine früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen und arbeitete zur Sicherung des Lebensunterhalts seiner Familie auch als Gebrauchsgrafiker.

Als Egon Schiele im Oktober 1918 an der spanischen Grippe starb, wurde sein Nachlass – da seine Frau nur wenige Tage vor ihm gestorben war – zwischen seiner Mutter Marie und seinen Schwestern aufgeteilt. Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation der Familie wurde Anton Peschka sen. von den Erbinnen, zu denen auch seine Frau Gerti gehörte, mit dem Verkauf der Kunstwerke Egon Schieles beauftragt.

Dabei wurde jetzt anhand der im Nachlass befindlichen und bereits ausgewerteten Korrespondenz festgestellt, dass Anton Peschka, der mit seiner Frau Gerti und den vier Kindern zu dieser Zeit in sehr schwierigen finanziellen Verhältnissen lebte, in manchen Fällen tatsächlich Werke Egon Schieles fertigstellte bzw. „restaurierte“, um sie besser verkaufen zu können. Für zusätzliche Fragen für die Schiele-Forschung sorgen offensichtliche Schiele-Imitationen, die sich ebenfalls im Nachlass finden.

Ein Gemälde aus dem Nachlass, „Mödling II“, ein unvollendetes Werk von Egon Schiele, wurde daraufhin mal- und materialtechnologisch untersucht und konnte letztlich als reiner Schiele eingestuft werden.

Egon Schiele, Mödling II, 1918, Foto: TimTom, Wien Museum

An der Aufarbeitung des Nachlasses wird sowohl vom Wien Museum selbst als auch von der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus ständig weitergearbeitet. In der Online Sammlung des Wien Museums (https://sammlung.wienmuseum.at/) wird der Bestand unter dem Schlagwort „Sammlung Peschka“ laufend ergänzt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht (Link siehe unten).

Die Ausstellung ist bis 27. September im Wien Museum zu sehen!

Adresse: Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien http://www.wienmuseum.at

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 09:00 – 18:00 Uhr,

Donnerstag 09:00 – 21:00 Uhr, Samstag/Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr

Katalog: Schiele & Peschka. Eine Familienaufstellung. Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2026

Sammlung Peschka – Online-Sammlung Wien Museum: https://sammlung.wienmuseum.at/suche/?fullText=Peschka&themes=1500499&sort=RELEVANCE&layout=NORMAL

Egon Schiele – Online-Sammlung Wien Museum: https://sammlung.wienmuseum.at/suche/?fullText=Schiele

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