Farm der Tiere

Farm der Tiere

Eine nach wie vor aktuelle Erzählung

An dieser Stelle möchte ich ein Buch in Erinnerung rufen bzw. vorstellen, das vor achtzig Jahren geschrieben wurde und von dem die meisten bereits gehört oder es bereits einmal gelesen haben: Animal Farm, auf deutsch: Farm der Tiere.

Der Autor des Buchs, George Orwell (1903-1950), schrieb in seinem Vorwort zu diesem Buch, dass er die Grundidee für dieses Buch bereits 1937 zum ersten Mal hatte. Die Niederschrift erfolgte jedoch erst von November 1943 bis Februar 1944. Danach war es für ihn lange Zeit nicht möglich, das Buch zu veröffentlichen. Es konnte erst im August 1945, einige Monate nach Kriegsende, unter dem Titel „Animal Farm. A Fairy Story“ im Verlag Secker und Warburg in London erscheinen. Die deutsche Erstausgabe mit dem Titel „Farm der Tiere. Eine Fabel“ folgte ein Jahr später.

Animal Farm ist nicht nur eine Satire auf die Russische Revolution und den Machtmissbrauch der Stalinisten, sondern auch eine Warnung vor politischen Führern, die potenziell edle Bewegungen für ihre eigenen egoistischen Zwecke missbrauchen. 

Eine Fabel ist eine Erzählung, in der Tiere menschliche Eigenschaften besitzen und menschlich handeln, wie die in der Farm der Tiere der Fall ist.

Farm der Tiere erzählt die Geschichte eines Bauernhofs in England, in der sich die Tiere gegen die Ausbeutung und schlechte Behandlung durch den Bauern auflehnen, diesen vom Hof verjagen und ab diesen Zeitpunkt den Bauernhof selbst verwalten und die Herrenfarm in Farm der Tiere umbenennen.

Da die Schweine als intelligenteste Tiere am Hof galten, werden in der Folge von zwei Schweinen, Napoleon und Snowball, die Lehren des bereits verstorbenen „Old Major“ zu einem Denksystem des Animalismus ausgearbeitet, in dessen Zentrum das Gebot „Alle Tiere sind gleich“ steht. Weitere Gebote zielen darauf ab, dass die Tiere nicht so werden sollen wie die Menschen.

Nachdem der Konflikt über unterschiedliche Vorgangsweisen bei der Führung der Farm eskaliert, übernimmt Napoleon die Leitung. Snowball wird vertrieben, Debatten werden abgeschafft, die Schweine übernehmen die Macht und entscheiden nunmehr alleine, wobei sie jeden Protest unterdrücken. Während sie sich selbst immer mehr Privilegien zugestehen, verändern und brechen sie auch die ursprünglichen Gebote des Animalismus. Die anderen Tiere werden durch gezielte Propaganda beeinflusst, durch Säuberungsaktionen eingeschüchtert und immer mehr ausgebeutet.

Einige Jahre später können sich nur mehr wenige Tiere an die urspüngliche Rebellion erinnern. Allerdings sind sie nach wie vor stolz darauf, dass ihre Farm als einzigen in ganz England von Tieren geleitet wird und alle Tiere gleich sind.

Dann aber beginnen die Schweine wie Menschen auf zwei Beinen zu laufen, Kleidung zu tragen und – wie ehemals auch der Bauer – Peitschen gegen die anderen Tiere zu benutzen. Dazu verändern sie auch das ursprüngliche Gebot in „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.“

Mehr noch, sie begegnen Menschen auf gleicher Stufe und laden sie auf ihre Farm ein, wo sie den anderen Bauen ihre Errungenschaften vorführen. Aus diesem Anlass erklärt Napoleon, dass die Animal Farm ab sofort wieder in Herrenfarm umbenannt wird. Vor dem Farmhaus aber standen die anderen Tiere und blickten durch die Fenster „von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein; doch es war bereits unmöglich zu sagen, wer was war.“

Das Buch kann als Fabel über die Geschehnisse in einem Bauernhof gelesen werden, jedoch auch als politisches Werk, als Kritik gegen den Totalitarismus. Geschrieben als Abrechnung mit der Entwicklung in der Sowjetunion seit der Regierung Zar Nikolaus II., der durch die Revolution gestürzt wurde, und mit dem Aufstieg des Stalinismus nach der Revolution, zeigt es die Auswüchse von Machtmissbrauch, Manipulation und Ungleichheit.

George Orwell schrieb dazu im Vorwort, dass es das erste Buch war, bei dem er „versucht habe, politische Absicht und künstlerischen Anspruch zu einem Ganzen zusammenzufügen.“

Da diese Erzählung eindrücklich vor Augen führt, welche Faktoren in einer Gesellschaft dazu beitragen, autoritäre Herrschaft fördern, wie beispielsweise die Faszination für starke Männer, die Verwendung der der Sprache als Waffe im Sinne von Manipulation, Propaganda oder Einschüchterung, die Revision der Geschichte im Sinne einer Umdeutung historischer Ereignisse, Komplizenschaft durch Schweigen oder Mitläufertum und die Folgen von Ungleichheit, ist sie auch heute nach wie vor aktuell.

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