Gleichstellung – Europäische Union
Langsame Fortschritte
Der von EIGE, dem Europäischen Institut für Gender Equality herausgegebene EU-Gender-Gleichstellungsindex (Gender Equality Index) zeigt jährlich anhand von umfangreichem, gesichertem Datenmaterial die Entwicklung im Bereich der Gleichstellung in der Europäischen Union.
Er beinhaltet die sechs Bereiche Arbeit, Geld, Wissen, Zeit, Macht und Gesundheit. Weiters untersucht werden die Gewalt gegen Frauen sowie überschneidende Ungleichheiten, wobei mehrere Lebensfaktoren wie Alter, sexuelle Orientierung, Behinderung oder Migrationshintergrund berücksichtigt werden.
Der EU-Gender-Gleichstellungsindex, der den Fortschritt der Europäischen Union in Richtung vollständiger Gleichstellung verfolgt, vergibt im Jahr 2025 der EU auf einer Skala von 0 bis 100 eine Gesamtbewertung von 63,4 von 100 (100 würde volle Gleichstellung bedeuten).
Trotz Fortschritten bleibt die vollständige Gleichstellung der Geschlechter laut dem Gender Equality Index 2025 damit – geht man von einem gleichbleibenden Tempo der Fortschritte aus – noch mindestens 50 Jahre entfernt.
Der Gleichstellungsindex 2025 hat massive Unterschiede bei den Einkommen von Frauen und Männern festgestellt. In der gesamten EU verdienen Frauen nur 77 % dessen, was Männer jährlich verdienen. Diese Einkommensunterschiede haben Auswirkungen sowohl auf das Lebensweinkommen als auch auf die Höhe der Renten.
Die Fortschritte in der Gleichstellung der Geschlechter in Entscheidungsprozessen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind seit 2020 der Hauptgrund für den Fortschritt im Index. Aufgrund anhaltender Ungleichheiten hat der Bereich Macht trotz dieser Zuwächse dennoch mit 40,5 immer noch die niedrigste Bewertung. Dort wo beeindruckende Fortschritte zu verzeichnen sind, wie in der Mitwirkung bei wirtschaftlichen Entscheidungen, liegen die Ursachen in der Gesetzgebung (Gleichstellungsgesetzgebung, Quotenregelungen).
Gleichzeitig gab es in den meisten Mitgliedstaaten jedoch Rückschläge in den Bereichen Geschlechtergleichstellung in den Bereichen Gesundheit und Bildung.
Der Index zeigt, dass die Beschäftigung von Frauen zwar wächst, aber nur wenige Positionen im Management, im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien oder besser bezahlte Positionen erreichen.
Da Frauen weiterhin den Großteil der unbezahlten Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen, erleben sie durch Mutterschaft Einschränkungen im Hinblick auf ihre Beteiligung am öffentlichen Leben und haben weniger Freizeit zur Verfügung.
Im Hochschulbereich übertreffen junge Frauen zwar Männer, allerdings führt die nach wie vor geschlechtsspezifische Fächerwahl Frauen in Berufe im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, die typischerweise unterbewertet sind, was zu begrenzten Möglichkeiten zur Erreichung von Führungspositionen und Bezahlung führt.
Die höchste Bewertung erreicht der Bereich Gesundheit mit 86,2, wobei hier keine weiteren Fortschritte zu verzeichnen sind. Ungleichheiten bestehen nach wie vor hinsichtlich des Gesundheitsverhaltens und der Anzahl gesunder Lebensjahre, insbesondere bei Frauen mit niedriger Bildung.
Der Index stellt außerdem fest, dass Gewalt gegen Frauen weiterhin allgegenwärtig ist, wobei die Daten darauf hindeuten, dass alarmierende 31 % der Frauen im Erwachsenenleben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, wobei besonders Frauen unter 45 Jahren betroffen sind.
Der Gender Equality Index 2025 präsentiert auch Daten zu Geschlechterstereotypen in der EU, die zeigen, wie tief verwurzelte Geschlechternormen weiterhin unser tägliches Leben, Entscheidungen und Chancen beeinflussen.
So glauben immer noch viele Menschen (EU: 36 % der Frauen und 45 % der Männer), dass Männer deshalb mehr verdienen als Frauen, weil ihre Arbeitsplätze anspruchsvoller sind.
Die Ansicht, dass Mütter, wenn keine Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen, zu Hause bei ihrem Kind bleiben während Väter ihrer Arbeit Vorrang einräumen sollen, wird in der EU von 33 % der Frauen und 42 % der Männer geteilt.
Akzeptabel finden noch immer 26 % der Frauen und 46 % der Männer in der EU, dass ein Mann die Finanzen seiner Frau kontrolliert. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Ansicht besonders unter jüngeren Generationen verbreitet ist.
Zentral bleibt, das Ziel der Gleichstellung nie aus den Augen zu verlieren. Auch wenn in manchen Bereichen nur langsame Fortschritte, in anderen Bereichen Rückschritte zu verzeichnen sind, hat sich die Situation in den letzten 15 Jahren in der EU kontinuierlich verbessert, wobei es allerdings immer noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten gibt.
Österreich erzielt 61,2 von 100 Punkten im Gender Equality Index 2025. Die Situation in Österreich hat sich in den letzten Jahren zwar verbessert, trotzdem liegt Österreich unter dem EU-Durchschnitt.
→ Nächste Woche folgt ein Beitrag zu den Ergebnissen für Österreich.
Link:
Gender Equality Index 2025: https://eige.europa.eu/
