Gleichstellung?

Gleichstellung?

Gleichstellungsindex 2025 für Österreich

Der von EIGE, dem Europäischen Institut für Gender Equality herausgegebene EU-Gender-Gleichstellungsindex (Gender Equality Index), ist ein Instrument zur Messung der Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter und wird jedes Jahr für die Europäische Union und die einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union herausgegeben.

Die Daten für Österreich in den Bereichen Arbeit, Geld (finanzielle Mittel, wirtschaftliche Lage), Wissen, Zeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege), Macht und Gesundheit zeigen zwar langfristig gesehen eine Verbesserung bei der Gleichstellung der Geschlechter, jedoch liegt Österreich insgesamt noch immer unter dem EU-Durchschnitt.

Österreich erzielt 61,2 von 100 Punkten im Gender Equality Index (EU-Durchschnitt: 63,4) und belegt damit in der EU den 13. Platz unter den 27 Mitgliedsstaaten der EU.

Der größte Verbesserungsbedarf besteht derzeit im Bereich Geld (finanzielle Mittel, wirtschaftliche Lage), wo Österreich auf Platz 27 in der EU liegt.

Im Bereich Macht liegt Österreich auf Platz 11 in der EU. Der Bereich Macht ist gleichzeitig jener Bereich, in dem seit 2020 die größte Verbesserung erzielt wurde, vor allem in den Teilbereichen Wirtschafts- und Sozialmacht. Hier dürften sich die Auswirkungen der Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes 2018 mit der Einführung einer verbindlichen Quote von 30 % für Frauen in Aufsichtsräten großer und börsennotierter Unternehmen (GFMA-G) zeigen.

Im Bereich Wissen zeigt sich, dass Frauen mittlerweile häufiger als Männer einen Hochschulabschluss erreichen und der Anteil der Frauen in den letzten zehn Jahren weiter gestiegen ist: In Österreich haben 51 % der Frauen im Alter von 30 bis 34 Jahren einen Hochschulabschluss (gegenüber 38 % der Männer).

Allerdings gibt es nach wie vor gravierende Unterschiede bei der Wahl der Studienfächer. Die für 2023 vorliegenden Daten weisen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales, Geisteswissenschaften und Kunst 74 % Frauen und 26 % Männer aus, wobei Österreich hier im EU-Durchschnitt liegt (EU: 75 % Frauen, 25 % Männer). Im Vergleich dazu gibt es im gleichen Zeitraum in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik 29 % Absolventinnen und 71% Absolventen (EU: 34 % Frauen, 66 % Männer)

Dies zeigt sich auch in der Arbeitswelt, wo die Unterschiede zwischen den Geschlechtern trotz der in den letzten zehn Jahren erreichten Verbesserungen immer noch stark ausgeprägt sind. So ist in Österreich nur jeder fünfte Spezialist im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien eine Frau. Bei den Führungspositionen liegt der Frauenanteil bei etwas mehr als einem Drittel.

Die Beschäftigungsquote von Frauen in Österreich gehört nach wie vor zu den niedrigsten in der EU. Die Vollzeitäquivalent-Beschäftigungsquote liegt bei Frauen bei 43 % (bei Männern bei 60 %).

Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sind zwar zurückgegangen, dennoch verdienen Frauen in Österreich, die in einer Partnerschaft leben, nur durchschnittlich 62 % des Einkommens ihres Partners.

Dazu kommt, dass über die Hälfte der Frauen noch immer den Großteil der Betreuung der Kinder und des Haushalts übernehmen. 52 % der Frauen verbringen mehr als 5 Stunden pro Tag mit der Betreuung von Kindern im Alter von 0 bis 11 Jahren, verglichen mit 21 % der Männer. Hausarbeit erledigen täglich 55 % der Frauen und 29 % der Männer.

Die Daten zu den Geschlechterstereotypen in Österreich geben die Einstellungen in den verschiedenen Bereichen wieder, wobei vor allem folgende Ergebnisse besonders interessant sind: Mehr als die Hälfte der Männer (und mehr als jede dritte Frau) glaubt, dass die Arbeit der Männer anspruchsvoller ist als jene der Frauen. Etwa die Hälfte der Männer und 42 % der Frauen glauben, dass die Hauptaufgabe eines Mannes darin besteht, Geld zu verdienen.

Der Aussage, dass es gut für das Wohlergehen der Familie ist, wenn Väter und Mütter den Elternurlaub zu gleichen Teilen nehmen, stimmen 81 % der Frauen und 77 % der Männer entweder zu oder voll und ganz zu.

Ein interessanter Aspekt zeigt sich im Bereich der Gesundheit. Hier gibt rund ein Drittel der Frauen an, dass Männer vom medizinischen Personal besser behandelt werden als Frauen, wobei nur 15 % der Männer dieser Meinung sind.

Im Bereich der Bildung zeigt sich ein nachhaltiger Einstellungswandel: der Aussage, dass eine Hochschulausbildung für Jungen wichtiger als für Mädchen ist, stimmen 92 % der Frauen und 85 % der Männer in Österreich nicht oder überhaupt nicht zu.

Seit den 1970er Jahren wurde in Österreich für die Gleichstellung von Frauen und Männer vor allem im Bereich der Gesetzgebung viel erreicht. Die seither erzielten Fortschritte gilt es nun zu erhalten und auszubauen – und wenn nötig, auch zu verteidigen.

Link:

Gender Equality Index 2025 – Ergebnisse für Österreich: https://eige.europa.eu/gender-equality-index/2025/AT

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