Zimmer- und Balkonpflanzen
Kolonialismus am Fensterbrett
Mit der Herkunft von zehn in unseren Breiten bekannten Zimmer- und Balkonpflanzen und ihrem Weg in unsere Lebenswelt befasst sich die Ausstellung „Kolonialismus am Fensterbrett“ im Weltmuseum Wien. Gleichzeitig zeigt sie, welche unterschiedlichen Dimensionen der Kolonialismus hat.

Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts bis weit in das 20 Jahrhundert hinein wurden große Teile der Welt durch Europäer erobert, besetzt und ausgebeutet. Konkret bedeutete das die politische und militärische Herrschaft über diese Gebiete, deren wirtschaftliche Ausbeutung und die Unterdrückung, Assimilation und Ausbeutung der Arbeitskraft (oft verbunden mit Versklavung) der dort heimischen Bevölkerung.
Usambaraveilchen, Begonien, Geranien (Pelargonium), Ficus Benjamina, Grünlilie, Kaktus, Dieffenbachie, Bogenhanf, Zimmertanne und Aloe Vera kamen erst ab dem 17. Jahrhundert nach Europa. Schon damals suchten Pflanzenjäger, Botaniker und Pflanzenhändler systematisch nach Heil- und Nutzpflanzen in den verschiedensten Teilen der Welt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es auch europäische Expeditionsreisen, die ethnografische Objekte und Pflanzen mit nach Europa brachten.

Aufgrund der langen Schiffsreisen ließen sich in erster Linie Samen, Zwiebeln und Wurzelstöcke gut transportieren. Erst als der britische Arzt Nathaniel Ward ein mobiles Miniatur-Glashaus entwickelte, das bald Teil der Standardausrüstung der Expeditionen wurde, war auch die Mitnahme von Pflanzen und deren Beförderung meist ohne große Schäden möglich.

Ausstellungsansicht. Ward’scher Kasten
© KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien, Foto: Daniel Sostaric
In Europa waren sie aufgrund ihrer Seltenheit und Besonderheit als Statussymbole zuerst nur in Schlossgärten und Orangerien zu finden. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen sie durch den Vertrieb durch profitorientierte Betriebe auch in die Häuser und Wohnungen des Bürgertums.
Pflanzen dienten aber nicht nur als Statussymbole und zur Verschönerung, sondern waren auch als „cash crops“ sehr gefragt. Als cash crops werden jene Pflanzen bezeichnet, die sich besonders für den Anbau und Einsatz in der Kosmetik- und Pharmaindustrie eignen. Als Beispiele dafür werden Aloe Vera, eine ursprünglich auf der arabischen Halbinsel im Norden des Oman beheimatete Pflanze, und die aus Südafrika stammende Geranie genannt.
Aloe Vera galt schon während der Zeit der Pharaonen in Ägypten als Pflanze der Unsterblichkeit, heute ist sie weltweit ein wichtiges Produkt der Kosmetikindustrie. Die Wirkstoffe der Geranie wurden in Südafrika jahrhundertelang als Medikament bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Nun hat sich eine deutsche Firma die Patente auf das traditionelle Heilmittel gesichert, ohne die lokalen NutzerInnen am Gewinn zu beteiligen. Internationale Abkommen wie das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt sollen sicherstellen, dass die Ursprungsnationen an den westlichen Profiten beteiligt werden und auf Biopiraterie aufmerksam gemacht wird.

Mit dieser Sonderausstellung gelingt es dem Weltmuseum Wien, über Pflanzen, die unseren Alltag wie selbstverständlich begleiten, einen Zugang zum Thema Kolonialismus und Biopiraterie zu schaffen und das Verständnis dafür zu erweitern.
Die Ausstellung ist noch bis 25. Mai 2026 im Weltmuseum Wien zu sehen!
Adresse: Weltmuseum Wien, Heldenplatz, 1010 Wien https://www.weltmuseumwien.at/information/
Der Zugang zum partizipativen Raum zam, in dem diese Ausstellung stattfindet, ist frei!
Öffnungszeiten: Dienstag 10:00-21.00 Uhr, Mittwoch-Sonntag 10:00-18:00 Uhr.
Montag geschlossen! Sonderöffnungszeiten: Ostermontag, 1. Mai, Pfingstmontag geöffnet!
