Waldmüller und Co
Natur im Bild
Die Entwicklung der Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert in Europa steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Nach der Natur gemalt“ im Unteren Belvedere, in der 48 Werke von Ferdinand Georg Waldmüller und 16 Arbeiten seiner Zeitgenossen, darunter John Constable, Jean-Baptiste Camille Corot, Théodore Rousseau, zu sehen sind.
Ansichten der Natur wurden zu dieser Zeit erstmals als eigenständige Kunstwerke angesehen. Die Präsentation der Werke von Georg Ferdinand Waldmüller in Verbindung mit der Entwicklung der Naturdarstellungen vor allem in England und Frankreich und der Überblick über sein Schaffen ab den 1830er Jahren bis Anfang der 1860er Jahre bietet neue Perspektiven auf sein umfangreiches künstlerisches Wirken.

Ferdinand Georg Waldmüller wurde 1793 in Wien geboren, wo er von 1807 bis 1811 an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte. Danach lebte und arbeitete er zunächst in Bratislava, dann in Zagreb, Brünn, Prag und ab 1817 in Wien. Studienreisen führten ihn 1825/26 nach Norditalien und Venedig sowie nach Dresden. 1830 reiste er nach Paris und begann ab dieser Zeit auch mit seinen regelmäßigen Sommeraufenthalten im Salzkammergut.
Von 1829 bis 1857 war er Lehrer an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er eine Professur für Malerei innehatte. Ebenfalls 1829 wurde er zum Kustos der Gemäldesammlung der Wiener Akademie ernannt, 1835 folgte die Ernennung zum ordentlichen akademischen Rat. Bereits Mitte der1830er Jahre gehörte Waldmüller zu den angesehendsten Malern in Wien.

Seine Reisetätigkeit setzte er auch in den folgenden Jahren fort. 1841 führte sie ihn an den Gardasee und Venedig, von 1844-46 unternahm er drei Jahre in Folge Studienreisen nach Sizilien, 1855 nahm er erfolgreich an der Weltausstellung in Paris teil, 1856 reiste er nach London. Durch seine Reisen hatte er die Möglichkeit, die Entwicklungen im Bereich der Malerei in anderen Ländern zu studieren. Gleichzeitig vermittelten ihm vor allem die Reisen in den Süden durch die dort herrschenden besonderen Lichtverhältnisse neue Eindrücke und Anregungen für seine Malerei.
Als Professor an der Akademie der bildenden Künste trat Waldmüller bereits in den 1830er Jahren für das Naturstudium ein. 1846 veröffentlichte er unter dem Titel „Das Bedürfniß eines zweckmäßigeren Unterrichts in der Malerei und plastischen Kunst“ seine Ideen für eine Veränderung des Kunstunterrichts. Waren seine Vorstellungen bereits damals von den Kollegen keineswegs nur wohlwollend aufgenommen worden, lieferte seine 1857 veröffentlichte Streitschrift „Andeutungen zur Belebung der vaterländischen bildenden Kunst“ den Grund für die Suspendierung von der Akademie.

Durch seinen Unterricht, sein Verständnis von Malerei und sein Werk, das geprägt war durch eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Natur sowie lebensnahe Porträts und Alltagsszenen, hat er die Malerei seiner Zeit und darüber hinaus geprägt. Aber nicht nur das: auch die Vorstellung und Wahrnehmung von unberührter Natur und deren Vermarktung im Zeitalter des aufkommenden Tourismus und der Fotografie hat er nachhaltig beeinflusst.
In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass das 19. Jahrhundert eine Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen war. Es war eine Zeit neuer technischer Entwicklungen, zunehmender Mobilität, der Entstehung des Industriekapitalismus und der Verschärfung der Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Gruppen.
Das aufstrebende Bürgertum zählte zunehmend zu den Käufern von Kunst. Vor allem das städtische Bürgertum fragte verstärkt Naturdarstellungen nach. Zugleich kam es nach den napoleonischen Kriegen zu einer zunehmenden Identifikation mit den Heimatländern und einer Nachfrage nach Gemälden, die deren Landschaften darstellten.

Die Eisenbahn ermöglichte eine größere Mobilität, die nach und nach zu einem auch für das Bürgertum erschwinglichen Tourismus führte. Dieser wurde zusätzlich durch die „nach der Natur gemalten“ Landschaftsbilder angeregt. Im Gegensatz zu den früher von KünstlerInnen komponierten „idealen Landschaften“, waren nun reale Ansichten Gegenstand der Gemälde. Bei Waldmüller sind es vor allem die Alpen und später der Wienerwald, aber auch italienische Landschaften.
In den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens widmete sich Waldmüller, angeregt durch seine Italienreisen, der Darstellung von Licht und Farbe, wobei seine Motive die Menschen und die Natur im Wienerwald waren.
Im Wienerwald, in der Hinterbrühl bei Wien, ist Ferdinand Georg Waldmüller 1865 auch gestorben. Was weiterlebt, sind seine Gemälde, die uns heute mehr denn je an die Bedeutung einer unberührten Natur erinnern.
Die Ausstellung ist bis 14. Juni 2026 im Unteren Belvedere zu sehen!
Adresse: Unteres Belvedere, Rennweg 6. 1030 Wien https://www.belvedere.at/besuch/unteres-belvedere
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10:00-18:00 Uhr
Katalog: Ferdinand Georg Waldmüller, Nach der Natur gemalt. Hg. Stella Rollig, Arnika Groenewald-Schmidt. Wien 2026
