Helga Philipp
Bewegungsräume
Die Ausstellung „Bewegungsräume“ in der Albertina zeigt anhand Plastiken, Objekten, Grafiken, Malereien und Skizzen aus vier Jahrzehnten, von den 1960er-Jahren bis Anfang der 2000er-Jahre, das vielfältige Werk von Helga Philipp.
Helga Philipp wurde 1939 in Wien geboren und begann bereits im Alter von sechzehn Jahren eine vorbereitende Ausbildung an der Akademie für Angewandte Kunst. Danach absolvierte sie das Studium der Bildhauerei bei Hans Knesl, das sie 1961 erfolgreich abschloss.
Noch in ihrer Studienzeit war sie Ende der 1950er-Jahre durch die Biennale in Venedig und Freunde mit der aufkommenden Op-Art-Avantgarde in Kontakt gekommen. Ab Mitte der 1960er-Jahre stellte sie gemeinsam mit nationalen und internationalen Op-Art-KünstlerInnen aus und wurde so Teil eines weltweiten Netzwerks dieser Kunstrichtung.

Privatsammlung, Verona © Nachlass Helga Philipp
Foto: Mattia Mognetti, Courtesy 10 A.M. ART Gallery, Milan
Op-Art (kurz für Optical Art, “optische Kunst”) ist eine Kunstrichtung, die ab den 1950er/60er Jahren entstand. Die Wurzeln der Op-Art sind in verschiedenen Kunstformen und -bewegungen zu finden, wie dem Konstruktivismus, Dadaismus und besonders den Experimenten des Bauhauses mit Farbabstufungen und Farbverläufen in den 1920er Jahren.
Durch den Einsatz von genau ausgeführten geometrischen Mustern und starken Farbkontrasten erzielt die Op-Art optische Täuschungen wie Dreidimensionalität, Flimmern oder der Illusion von Bewegung. Für die bestmögliche Wirkung der Werke ist oft auch die körperliche Bewegung der BetrachterIn und dadurch die Veränderung des Abstands zum Bild und des Blickwinkels notwendig.
Für die Wiener Kunstszene war Helga Philipp von zentraler Bedeutung, da sie sich gemeinsam mit anderen KollegInnen der Aufgabe widmete, ausgehend von der Tradition der Wiener Kunst ab 1900, dem abstrakten Ornament der Secession und der Wiener Werkstätte, und dem Wiener Kinetismus von Franz Cizek in den 1920er-Jahren, ihre Form der Op-Art zu entwickeln. Heute gilt sie als eine der wichtigsten österreichischen RepräsentantInnen dieser Kunstrichtung.

Privatsammlung © Nachlass Helga Philipp. Foto: Nachlass Helga Philipp
Mit ihrem Manifest, das zu den wichtigsten Texten von KünstlerInnen Mitte der 1960er-Jahre gehört, leitete sie ein neues Kapitel in der Kunst ein, in der die BetrachterInnen aktiv mit dem Bild in Beziehung treten:
beschauer
existenz des bildes
existenz des beschauers
gegenseitige beziehung
beschauer – bild
bild – beschauer
existenz des bildes durch den beschauer
existenz des beschauers durch das bild
bewegung des beschauers gegen das bild
bewegung des bildes mit dem beschauer
gegenbewegung
bild – beschauer
beschauer – bild
einbeziehung des raumes in das bild
bewegung im raum im bild
bewegung im raum und die des beschauers durch das bild
bewegung des bildes durch den beschauer und den raum
veränderung des bildes durch veränderung des lichtes
veränderung des bildes durch veränderung des beschauers
qualität des beschauers
qualität des bildes
(helga philipp)
Von 1965, kurz nach Abschluss ihres Studiums, bis 2002 war die Künstlerin an der Hochschule für Angewandte Kunst als Assistenzprofessorin lehrend tätig.
Helga Philipps Werke befinden sich heute in vielen bedeutenden österreichischen Sammlungen und Museen, wie dem Belvedere, der Albertina, der Sammlung der Stadt Wien, dem MUMOK Wien, dem NÖ Landesmuseum, der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz und dem Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck sowie in Privatsammlungen.
Die Ausstellung ist bis 20. September 2026 in der Albertina zu sehen!
Adresse: Abertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien – Pfeilerhalle http://www.albertina.at
Öffnungszeiten: Täglich 10:00-18:00 Uhr, Mittwoch und Freitag 10:00-21:00 Uhr
Links:
Kurze Einführung in das Werk: Helga Philipp, Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv (2018/19) (3:51 min): https://www.youtube.com/watch?v=y3Tm9o5C6lI
Homepage Helga Philipp: https://www.helgaphilipp.net/

Nachlass Helga Philipp © Nachlass Helga Philipp
Ausstellungsansicht: ALBERTINA, Wien / Ana