Das Teatro Olimpico in Vicenza
Das Teatro Olimpico gilt als das älteste erhaltene überdachte Theater aus dem Zeitalter der Renaissance und ist zugleich das letzte Werk des Architekten Andrea Palladio.
Auftraggeber war die 1555 gegründete Accademia Olimpica, eine Vereinigung bedeutender Persönlichkeiten aus dem Adel, dem Bürgertum, den Wissenschaften und Künsten aus Vicenza. Zu den Gründungsmitgliedern der Accademia Olimpica gehörte auch Andrea Palladio.
Andrea Palladio (1508-1580) war ein bedeutender italienischer Architekt der Spätrenaissance und gilt als einer der einflussreichsten Baumeister der europäischen Architekturgeschichte.
Bereits in den 1560er-Jahren entwarf er für die Akademie mehrere temporäre Holztheater. Um 1579 beschloss die Akademie den Bau eines festen Theaters.
Palladio wollte das antike römische Theater wiederbeleben, passte es aber an die Möglichkeiten des knappen Bauplatzes an. So entstand statt eines Halbrunds ein halbovaler Zuschauerraum mit vierzehn stufenförmigen, hölzernen Sitzreihen, die durch eine Säulenkolonnade mit Statuen von Akademiemitgliedern abgeschlossen werden. Die Decke wurde als offener Himmel bemalt.
Im August 1580 starb Palladio, kurz nach Baubeginn. Sein Sohn Silla führte den Bau zunächst weiter, letztlich fertiggestellt wurde das Theater von Vincenzo Scamozzi, der auch die Innenausstattung gestaltete.
Eingeweiht wurde das Theater am 3. März 1585 mit dem Stück König Ödipus von Sophokles. Die für dieses Stück von Scamozzi entworfenen Kulissen, die ein idealisiertes Theben darstellen, sind bis heute erhalten geblieben und dienen seither für alle Vorstellungen als Bühnenbild.
Nach der glanzvollen Eröffnung wurde das Theater nur selten genutzt, da im Zuge der Gegenreformation Theateraufführungen untersagt waren und das Theater nur noch für repräsentative Zwecke genutzt wurde. Erst im 19. Jahrhundert wurden vereinzelt wieder klassische Stücke aufgeführt. Dies ist mit ein Grund dafür, dass der empfindliche Holz- und Stuckbau erhalten geblieben ist.
Die Ausstattung mit Stuckstatuen an der vorderen Bühne und der Loggia über dem Zuschauerraum besteht aus Porträts der Mitglieder der Olympischen Akademie, der Gründer des Theaters, in der Gestalt antiker klassischer Helden.
Die ursprünglichen achtundzwanzig Statuen der Loggia aus dem 16. Jahrhundert wurden Mitte des 18. Jahrhunderts, da sie wie die Figuren an der Bühnenwand aus Gips und Stuck gefertigt wurden und damals bereits schwer beschädigt waren, durch neue aus Stein ersetzt werden. Unter den dargestellten Figuren befindet sich in der Mitte auch eine von Andrea Palladio. Die heutige Decke, die aus dem Jahr 1914 stammt, entspricht im Wesentlichen dem ursprünglichen Zustand, der durch einen Stich von 1630 überliefert wurde.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Vicenza bombardiert, das Theater überstand dies jedoch ohne größere Schäden. Bei einer in der Nachkriegszeit erfolgten Restaurierung wurden zwei seitliche Eingänge als Zugang zum Zuschauerraum eingebaut. Heute finden im Theater, das rund 400 BesucherInnen Platz bietet, regelmäßig Theateraufführungen und Konzerte statt.
Im Jahr 1994 wurde das Teatro Olimpico, das zum Vorbild für spätere Theaterbauten wurde, in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.






Fotos: Elisabeth Kolbry