Fernweh!
KünstlerInnen auf Reisen
Diesen Sommer hat die Albertina eine Ausstellung zum Thema “Fernweh. Künstler:innen auf Reisen” gestaltet. Anhand von 133 ausgewählten Meisterwerken aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus dem eigenen Bestand wird vermittelt, warum und wohin KünstlerInnen gereist sind, welche Anregungen sie aufgenommen und wie sie ihre Eindrücke malerisch festgehalten haben.
Reisen waren im 18. Jahrhundert waren vor allem dem Adel vorbehalten, für deren Söhne die “Grand Tour”, eine mehrjährige Bildungsreise durch Europa mit dem Ziel Rom, den Abschluss ihrer Ausbildung darstellte. Auf diesen Bildungsreisen wurden sie oft von Malern begleitet, die die einzelnen Stationen festhielten, meist durch Tuschzeichnungen mit der Feder, Zeichnungen in Skizzenbüchern oder durch Aquarelle.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begannen auch Söhne aus dem wohlhabenden Bürgertum diese Bildungsreisen zu unternehmen. Ein Beispiel dafür ist Johann Wolfgang von Goethe, der von 1786 bis 1788 Italien von Trient bis Sizilien bereiste und auf seiner “Italienischen Reise”, die er später auch literarisch beschrieb, als begeisterter Landschaftsmaler rund 850 Zeichnungen anfertigte.

ALBERTINA, Wien. Dauerleihgabe der Österreichischen Goethe-Gesellschaft © Foto: ALBERTINA, Wien
Das Interesse an der Antike und an Rom wurde besonders durch Johann Joachim Winckelmann, einem der Begründer der Klassischen Archäologie und der modernen Kunstgeschichte, geweckt, dessen 1764 veröffentlichtes Hauptwerk “Geschichte der Kunst des Altertums” bald zum vielgelesenen Standardwerk wurde. Für angehende Maler war damals das Studium der Antike und der Renaissance ein wesentlicher Teil ihrer Ausbildung an den Kunstakademien. Es waren aber nicht nur die Monumente, sondern auch die Landschaften und vor allem das Licht des Südens, das die Maler begeisterte.

ALBERTINA, Wien © Foto: ALBERTINA, Wien
Ein weiterer Teil der Ausstellung befasst sich mit der Faszination von KünstlerInnen für die Bergwelt. Wurden die Alpen und der Weg über die Berge in Richtung Italien bisher vor allem bedrohlich und voller Gefahren für die Reisenden erlebt, änderte sich dieses Bild im 19. Jahrhundert. Grund dafür waren einerseits die Literatur über die Alpen und andererseits die verbesserten Reisemöglichkeiten durch die Eisenbahn vor allem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Südbahn Wien–Triest wurde 1857 eröffnet, 1867 folgte die als Brennerbahn bekannte Strecke Innsbruck-Bozen und 1884 die Arlbergbahn von Innsbruck nach Bregenz.
Gleichzeitig gab es auch Neuerungen bei den Malutensilien. Bereits 1835 hatte eine englische Firma einen leicht transportierbaren Malkasten für Aquarellmalerei herausgebracht. Eine weitere für KünstlerInnen wichtige Entwicklung war im Jahr 1841 die Erfindung der Tubenfarben durch den amerikanischen Maler John Goffe Rand, die das Malen vor Ort in der freien Natur ermöglichten.

ALBERTINA, Wien © Foto: ALBERTINA, Wien
Ein wichtiger Aspekt dieser Zeit waren auch die von den Habsburgern in Auftrag gegebenen Werke. Als Beispiele werden in der Ausstellung Erzherzog Johann und Kaiser Ferdinand I. genannt. Erzherzog Johann lies von seinen “Kammermalern” in einer Zeitspanne von fast 50 fünfzig Jahren rund 1400 Aquarelle und Zeichnungen anfertigen. Die bedeutendsten Künstler wurden von Erzherzog Ferdinand (ab 1835 Kaiser Ferdinand I. von Österreich) beauftragt, die schönsten Orte der österreichischen Monarchie zu malen.
Zu ihnen gehören Jakob und Rudolf von Alt, die durch die Wahl ihrer Blickpunkte, die Wiedergabe realistischer Ansichten und von traumhaften Stimmungen “die sogenannten Standardblicke prägten und den Tourismus in Österreich anfachten.” (Ausstellungstext). Diese “Standardblicke” auf Orte und Landschaften wurden später von den ab 1885 zugelassenen mit einem Bilddruck versehenen Ansichtskarten und in der Folge durch die Fotografie aufgenommen und verbreitet.
Ein weiterer Grund für Künstler, sich auf Reisen zu begeben und Bilder von Landschaften anzufertigen, waren Aufträge wie jene des Kunstverlags Artaria.
Der Rheinlandschaft, vor allem das Mittelrheintal zwischen Köln und Mainz, das ausgelöst durch literarische Werke von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist ab dem Ende des 18. Jahrhunderts von Künstlern aufgesucht wurde, ist ein weiterer Bereich de Ausstellung gewidmet. Ein weiterer Teil der Ausstellung befasst sich mit Entdeckungsreisen, die im 19. Jahrhundert unternommen wurden. Hier werden Werke des Landschaftsmalers Josef Selleny, der mit rund 2000 Aquarellen, Skizzen und Studien die Weltumseglung der österreichischen Marine mit der Fregatte SMS Novara in den Jahren 1857-1859 dokumentierte, und die von Leander Russ im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. von Österreich angefertigten Bilder aus dem Vorderen Orient ausgestellt.
Den österreichischen Landschaftsmalerinnen ist im Rahmen der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet. Da Frauen im 18. und 19. Jahrhundert ein Studium an Kunstakademien verwehrt war – in Österreich durften sie erst ab dem Studienjahr 1920/21 an der Akademie der bildenden Künste studieren – war es nur wenigen, meist aus gutsituierten Familien, stammenden Frauen möglich, durch Privatlehrer und privaten Malschulen die erforderlichen Grundlagen für ihre künstlerischen Tätigkeit zu erwerben. Aufträge, wie ihre männlichen Kollegen, erhielten sie keine.
Es ist daher von größter Bedeutung, dass von Kuratorin Elisabeth Dutz in dieser Ausstellung bekannte und weniger bekannte Landschaftsmalerinnen präsentiert werden, die mit ihren Skizzenbüchern unterwegs waren oder direkt in der freien Natur malten, wie Tina Blau, Olga Wisinger-Florian, Marie Lippert-Hoerner, Anna Baar-Plommer und Helene von Eschenburg.

ALBERTINA, Wien © Foto: ALBERTINA, Wien
Die in der Ausstellung präsentierten Werke veranschaulichen, wie KünstlerInnen im 18. und 19. Jahrhundert die Welt wahrgenommen und empfunden haben und ihre Eindrücke mit künstlerischen Mitteln festhielten. Da sie aus einer Zeit stammen, in der es noch keine Fotografie gab, vermitteln viele der ausgestellten Werke auch ein Bild davon, wie Orte und Landschaften zu dieser Zeit ausgesehen haben. Die Ausstellung hat daher für BesucherInnen mehrere Facetten, neben einem kunsthistorischen und geschichtlichen Aspekt auch den des Wiedererkennens bekannter Orte.
Die Ausstellung ist in der Albertina Wien bis 24. August 2025 zu sehen!
Adresse: Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien https://www.albertina.at/
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 – 18.00 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10.00 – 21.00 Uhr