Frieden tun
Frieden als aktive Aufgabe
Das Frauenmuseum Hittisau im Bregenzerwald, das einzige Frauenmuseum in Österreich und weltweit das Einzige im ländlichen Raum, gestaltet jedes Jahr eine Ausstellung zu einem aktuellen Gegenwartsthema.
Dieses Jahr geht es ausgehend von einem Verständnis von feministischer Friedenspolitik, die einen tiefgreifenden Wandel für Gerechtigkeit, Teilhabe, Soziale Sicherheit und die Sichtbarkeit struktureller Gewalt anstrebt, um das Thema „Frieden tun. Über Gerechtigkeit, Demokratie und Geschlecht“.
Diese Ausstellung, die das Thema aus unterschiedlichen und teils ungewohnten Blickwinkeln beleuchtet, ist im Rahmen des Interreg-Projektes COURAGE in Gedenken an den 500. Jahrestag der Bauernkriege 1525 entstanden.
In dem von ihnen erarbeiteten Ausstellungskonzept verstehen Lisa Noggler-Gürtler und Stefania Pitscheider Soraperra Frieden nicht nur als Schweigen der Waffen oder als abstrakte Idee und fertigen Zustand, sondern als gestaltbaren Prozess und folglich als aktive Aufgabe im Alltag und in der Gesellschaft.
Ausgehend von der Frage „Was braucht es, um Frieden im Persönlichen wie im Politischen zu leben, zu bewahren oder zu erkämpfen?“ sind sie Fragen nach Demokratie, Gerechtigkeit und Geschlecht nachgegangen und haben dabei die Perspektiven von Frauen und marginalisierten Gruppen in den Mittelpunkt gestellt.
Die Ausstellung zeigt in unterschiedlichen Abschnitten, was es bedeutet, Frieden zu erkämpfen und auszuhandeln, sie beschäftigt sich mit der Frage der Bildung als Grundlage für demokratisches Denken und Handeln und spannt den Bogen bis hin zur Bedeutung der natürlichen Ressourcen und der persönlichen Ebene, wie wir selbst in unserem Alltag Frieden leben können.
Durch einen Blick in die Geschichte, Erzählungen und künstlerische Arbeiten von Frauen werden neue Betrachtungsweisen darauf ermöglicht, wie Frieden gestaltet werden kann und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Die Ausstellung spannt dabei einen Bogen zu historischen Zusammenhängen, indem sie auf die in einer Zeit der zunehmenden Militarisierung in den 1890er-Jahren entstandene Friedensbewegung und eine ihrer bedeutendsten VertreterInnen, Bertha von Suttner, und deren jahrelange Bestrebungen zur Erhaltung des Friedens in Europa verweist.
Gleichzeitig zeigt sie am Beispiel des Ersten Weltkriegs, wie sehr durch den Krieg das traditionelle Rollenbild der Frau als Ehefrau und Mutter aber auch als fürsorgende Pflegende in ihrer Tätigkeit als Krankenschwester propagiert und verfestigt wurde.
Eine Hörstation vermittelt ausgehend von unterschiedlichen Konflikten unserer Zeit, vom Jugoslawienkrieg und Srebrenica in Bosnien über die Folgen der Apartheid in Südafrika bis hin zum Konflikt im Nahen Osten, durch persönliche Geschichten von Betroffenen die von ihnen mit viel Mut und Überzeugungskraft eingeschlagenen Wege zur Ermöglichung eines friedlichen Zusammenlebens.
Einen zentralen Stellenwert nehmen die Themen „Frieden bilden“ und Demokratie ein. Im Zentrum steht dabei die Bedeutung der liberalen Demokratie durch eine auf Gewaltenteilung basierende Rechtsstaatlichkeit, die den Schutz der Grundrechte und der Meinungsfreiheit gewährleistet, Teilhabe ermöglicht und von informierten BürgerInnen getragen wird. Nach dem Demokratieindex des schwedische V-Dem-Instituts lebten im Jahr 2024 nur mehr 28% der Weltbevölkerung in einer liberalen Demokratie; im Jahr 2004 waren es noch 51 %!
Künstlerische Werke von Frauen, die Konflikt, Versöhnung, Erinnerung, Gerechtigkeit und Geschlecht zum Inhalt haben, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Wobei die Kuratorinnen diese Werke nicht als Illustrationen, sondern als eigenständige Zugänge, die einen Perspektivwechsel ermöglichen sollen, verstehen. Als Beispiel möchte ich hier die Stickbilder von afghanischen Frauen nennen, in denen sie sich mit dem Krieg und seinen Folgen (wie im Bild einer brennenden Schule) auseinandersetzen.
Die sehr gut durchdachte und mit großem Hintergrundwissen vielschichtig gestaltete Ausstellung führt eindrücklich vor Augen, wie sehr ein friedliches Zusammenleben als Grundlage Demokratie, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabechancen braucht und das Frieden gestaltet werden kann.
„Frieden beginnt dort, wo Menschen neue Wege des Miteinander suchen – und sie gemeinsam gehen.“ (Ausstellungstext FHM)

Podcasts: Weitergehende Informationen zur Ausstellung gibt es in den Podcasts des Frauenmuseums Hittisau zum Thema der Ausstellung:
Frieden tun. Ausstellungsdesignerin Sabrina Summer und Grafikerin Simone Angerer über die Idee, Konzeption und Umsetzung der Ausstellung (33 min): https://redcircle.com/shows/4bdaa71b-3e5e-404b-a06e-c71f5e6a4d27/ep/5d90a9a1-05d4-48c9-8961-e8256bb864ef
Frauen tun Frieden. Aufzeichnung einer Veranstaltung des Museums über feministische Perspektiven in der Friedensarbeit und Sicherheitspolitik mit Luisa Dietrich und Rosa Logar (33 min): https://redcircle.com/shows/4bdaa71b-3e5e-404b-a06e-c71f5e6a4d27/ep/fce875a6-131f-4764-bd67-0bd49cdb2187

Die Ausstellung ist bis 28. März 2027 im Frauenmuseum Hittisau zu sehen!
Adresse: Frauenmuseum Hittisau, Platz 501, 6952 Hittisau, Vorarlberg http://www.frauenmuseum.at
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00-17:00 Uhr
