Max Pechstein
Abenteuer Expressionismus
Max Pechstein (1881-1955), einem der Hauptvertreter der klassischen Moderne und des deutschen Expressionismus, ist im Lentos Kunstmuseum Linz eine Retrospektive mit dem Titel „Abenteuer Expressionismus“ gewidmet, in der sein Werk aus rund fünf Jahrzehnten und verschiedenen Schaffensphasen präsentiert wird.
Hermann Max Pechstein wurde 1881 in Zwickau geboren. Er machte zuerst eine Ausbildung zum Dekorationsmaler und besuchte in diesem Zusammenhang die Gewerbe- und Innungsschule sowie die Kunstgewerbeschule in Dresden. Anschließend studierte er von 1903-1907 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste Dresden.

Bereits während seines Studiums kam er in Kontakt mit der Künstlergruppe „Die Brücke“ und wurde 1906 in die Gruppe aufgenommen. Die Brücke war eine expressionistische Künstlervereinigung, die 1905 in Dresden von Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gegründet wurde. Neben Max Pechstein wurden auch Otto Mueller und Emil Nolde als weitere Mitglieder aufgenommen.
Die Gruppe verstand sich als “Brücke” zwischen der traditionellen, akademischen Kunst und einer neuen, freieren Kunstauffassung, die eine unmittelbare, durch Spontaneität und Subjektivität gekennzeichnete Kunst anstrebte.
1911 verlegte die Gruppe ihren Sitz nach Berlin. Als Max Pechstein im Jahr 1912 eigenständig in der Berliner Secession ausstellte und damit gegen die Gruppenregel verstieß, nur gemeinsam mit der Brücke aufzutreten, wurde er aus der Künstlervereinigung ausgeschlossen.
1913 löste sich die Vereinigung schließlich auf. Gründe dafür waren Konflikte über die Deutungshoheit betreffend die Geschichte der Brücke und künstlerische Differenzen durch die im Laufe der Zeit sich entwickelnde stärkere künstlerische Individualität der Mitglieder.
Heute gilt „Die Brücke“ neben dem Blauen Reiter als eine der wichtigsten Strömungen des deutschen Expressionismus, die die moderne Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat.

Die Ausstellungsstücke – Gemälde, Zeichnungen, Drucke – zeigen die künstlerische Entwicklung von Max Pechstein von den Jahren in der Künstlervereinigung „Die Brücke“ bis hin zu seinem Spätwerk nach dem Zweiten Weltkrieg.
Gegliedert ist die Ausstellung in vier Kapitel, wobei für die Ausstellung in Linz besonders die für Pechstein wichtige, aber keineswegs immer problemlose Beziehung zu seinem Kunsthändler und Galeristen Wolfgang Gurlitt herausgearbeitet wurde. Dies deshalb, weil Wolfgang Gurlitt nach dem Zweiten Weltkrieg einer der Gründer der Vorgängerinstitution des Lentos Kunstmuseums war. Dazu kommt, dass in der Ausstellung sein Werk in den Zusammenhang des Kunstbetriebs und der wirtschaftlichen Bedingungen künstlerischer Arbeit gestellt wird.
Die einzelnen Kapitel beginnen mit den frühen Jahren und der Künstlergruppe „Die Brücke“ bis zum Zerfall der Vereinigung. Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung befasst sich mit seiner Reise 1914/1915 in die Südsee, zu den Palau-Inseln, wo er die Einheit von Mensch und Natur zu finden suchte.
Diese Reise wurde jedoch bereits nach vier Monaten durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, zuerst an der Westfront, dann in Berlin.
In Berlin begann er wieder, intensiv zu malen, wobei er vor allem die Eindrücke der Südsee-Reise verarbeitete. Bereits 1918 konnte eine erste Ausstellung eröffnet werden und in den Jahren nach dem Krieg waren seine Werke sehr gefragt.
Unter dem Titel „Der Maler und das Meer“ sind die in der Zwischenkriegszeit an der Ostsee und auf Reisen nach Italien und Südfrankreich entstandenen Werke zusammengefasst.
Das Jahr 1937 bedeutete mit der durch die Nationalsozialisten erfolgten Einstufung seiner Werke als „entartete Kunst“ einen gravierenden Einschnitt. Über 500 seiner Werke wurden beschlagnahmt und Max Pechstein aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Während des Zweiten Weltkriegs musste er Luftschutzdienst versehen, gegen Ende des Krieges wurde zum Ausheben von Panzergräben zwangsverpflichtet. Sein Atelier und viele seiner Arbeiten wurden durch Kriegshandlungen und Bombenangriffe zerstört.
Mit dem Thema „Reflexionen und Neuschöpfungen“ führt die Ausstellung in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits 1946 erfolgte eine Präsentation von Werken Max Pechsteins in Berlin; es war dies die erste Ausstellung eines lebenden Künstlers im Berlin der Nachkriegszeit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum Professor an die Berliner Hochschule für bildende Künste berufen und durch zahlreiche Ehrungen, darunter der Große Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, ausgezeichnet.
In seinem Werk spiegelt sich in diesen Jahren sowohl der Wille zur Weiterführung seiner künstlerischen Tätigkeit als auch die Trauer um den Verlust seiner im Krieg verschollen oder zerstörten Werke wider. Er selbst schrieb dazu, er wolle das Verlorene künstlerisch neu schaffen. Max Pechstein starb 1955 in Berlin.

Als einer der führenden Vertreter der Künstlergruppe Brücke und des Expressionismus hatte Max Pechstein in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine zentrale Stellung innerhalb der deutschen Avantgarde inne.
Die Ausstellung ist noch bis 30. August 2026 im Lentos Kunstmuseum in Linz zu sehen!
Adresse: Lentos Kunstmuseum Linz, Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz https://www.lentos.at/
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr, Donnerstag 10:00 – 20:00 Uhr
Katalog zur Ausstellung: Max Pechstein– Vision und Werk. Zwischen Wirklichkeit und Utopie – Visionen einer besseren Welt. Hg. Aya Soika, Eveline Suter, Annika Weise. Hirmer Verlag, München 2026