Vally Wieselthier

Vally Wieselthier

Keramikkünstlerin, Designerin, Lehrerin

Die bedeutendste Vertreterin der Keramik der Wiener Werkstätte und zukunftsweisende Vorreiterin der modernen Keramikkunst Vally Wieselthier wird in der Ausstellung „Vally Wieselthier: Bild und Ton“ im Museum für angewandte Kunst-MAK gewürdigt.

Anhand einer Auswahl von 160 Objekten aus europäischen Sammlungen und aus dem Nachlass von Wieselthier, der von ihrer Familie aus den USA dem MAK überlassen wurde, wird die künstlerische Entwicklung dieser Frau, die in Wien begonnen hatte und in den USA fortgesetzt wurde, gezeigt. Zentral ist dabei selbstverständlich ihre Keramik, doch darüber hinaus wird ihr Schaffen als Illustratorin, Gebrauchsgrafikerin, Innenraumgestalterin, Textilkünstlerin und Schaufenstergestalterin vorgestellt.

Porträt Vally Wieselthier, 1928 © MAK

Vally (Valerie) Wieselthier, Tochter einer bürgerlichen, jüdischen, Familie, wurde 1895 in Wien geboren. Da die Bildung ihrer Tochter großen Stellenwert für die Eltern besaß, besuchte sie das Öffentliche Mädchenlyzeum des Schulvereins für Beamtentöchter und in den Jahren 1912 bis 1914 die Kunstschule für Frauen und Mädchen. Von 1914 bis 1920 studierte sie an der Kunstgewerbeschule.

Zu ihren LehrerInnen gehörten der Maler, Kunsterzieher und Reformpädagoge Franz Čižek in der Formenlehre, Kolo Moser in der Fachklasse dekoratives Zeichnen und Malen, Josef Hoffmann in der Fachklasse Architektur, Michael Powolny in der Keramikwerkstätte und Rosalia Rothansl in der Textilwerkstätte.

Noch während ihrer Studienzeit wurde sie für die Wiener Werkstätte engagiert. Ihr erster, bereits 1915/16 geschaffener Beitrag waren Grafiken für Mappenwerke. Von 1917 bis 1922 arbeitete sie als freie Mitarbeiterin in der Künstlerinnenwerkstätte für die Wiener Werkstätte. In dieser Zeit entstanden Gebrauchskeramik, Kleinfiguren, Kopfplastiken, Gläser, Schmuck, Stoffmuster und Gebrauchsgrafiken.

Vally Wieselthier, Illustration für das Mappenwerk Das Leben einer Dame, 1916. Linolschnitt, handkoloriert, auf Japanpapier © MAK

Nach Differenzen schied sie aus der Wiener Werkstätte aus und gründete mit dem Gewerbeschein als Hafnermeisterin ihre eigene Keramikwerkstätte, die Keramische Werkstätte Vally Wieselthier. In dieser Zeit arbeitete sie mit mehreren angesehenen Firmen zusammen, wie Augarten Porzellan, Lobmayer Glas, Goldscheider Keramik und Gmunder Keramik und fertigte im Auftrag der Gemeinde Wien Bauplastiken an.

In dieser Zeit bildete sie auch Lehrlinge aus, publizierte ihr programmatisches Konzept, veröffentlichte Beiträge zum Thema Handwerk und Kunst in der wichtigen Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration und nahm an Ausstellungen im In- und Ausland teil.

Vally Wieselthier, Flora, 1928. Roter Scherben, mehrfarbig glasiert © MAK/Georg Mayer

„Ich möchte bestimmt behaupten, dass der Weg des guten Handwerks nicht…aus der Kunst zum Handwerk, sondern umgekehrt aus dem Handwerk zur Kunst geht.“ (Vally Wieselthier, Meine Werkstätte. 1926)

Im Jahr 1927 verkaufte die ihre Werkstätte und alle Lizenzen auf ihre Modelle an die Wiener Werkstätte und wurde künstlerische Leiterin der Keramikabteilung der Wiener Werkstätte, wo sie als Keramikerin und Lehrende tätig war.

Vally Wieselthier, Entwurf für ein Wiener-Werkstätte-Plakat, 1928. Bleistift, Gouache auf Papier © MAK

Nachdem sie 1928 zur Teilnahme an der International Exhibition of Ceramic Art im Metropolitan Museum eingeladen wurde und dort mit 5 Werken vertreten war sowie eine Einzelausstellung im Art Center in New York hatte, blieb sie vorerst in New York. Dort traf sie auf ein Netzwerk europäischer KünstlerInnen. Besonders Fritz Wärndorfer, der Mitbegründer der Wiener Werkstätte, der bereits 1914 in die USA ausgewandert war, unterstützte sie beim Einstieg.

Bereits 1928 trat sie der Künstlervereinigung The American Union of Decorative Artists and Craftsmen bei und fand bald in den Kunstkreisen Anerkennung. Nachdem sie noch zweimal nach Wien zurückgekehrt war, verlegte sie 1932 ihren Lebensmittelpunkt endgültig nach New York, wo sie ein eigenes Atelier eröffnete.

Vally Wieselthier mit ihrer Keramik Modern Youth in einer Ausstellung der Vereinigung Contempora, New York, 1929. Fotografie © MAK

„Ich möchte bei meiner Arbeit überhaupt das Künstlerische vom Handwerklichen gar nicht getrennt wissen; denn beide müssen so selbstverständlich miteinander verwachsen sein, wie die Farbe mit dem Bilde.“ (Vally Wieselthier)

Ihre eindrucksvollen Skulpturen verschafften ihr rasch künstlerische Anerkennung. Sie arbeitete als Designerin (und einzige Frau) für die Contempora Group, und war für einige bedeutende Keramik- und Glasfirmen in den USA tätig. Wie zuvor schon in Wien wirkte sie auch wieder als Lehrende.

Vally Wieselthier ist 1945 in New York gestorben.

Mit ihrem Schaffen hat sie die Entwicklung der Keramik und der ästhetischen Maßstäbe in der modernen Dekorationskunst wesentlich beeinflusst. Ihre Werke sind heute in vielen wichtigen Museen zu finden, wie dem Metropolitan Museum of Art und das Smithsonian Design Museum in New York, im Minneapolis Institute of Art, im Wien Museum und dem Museum für angewandte Kunst in Wien.

Die Ausstellung ist bis 10. Jänner 1927 zu sehen!

Adresse: MAK-Museum für angewandte Kunst, Stubenring 5, 1010 Wien https://www.mak.at/

Öffnungszeiten: Dienstag 10:00–21:00 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10:00–18:00 Uhr, Montag geschlossen

Online-Sammlungen:

Werke von Vally Wieselthier in der Online-Sammlung des MAK: https://sammlung.mak.at/en/artist/wieselthier-vally_1195

Werke von Vally Wieselthier in der Online-Sammlung des Wien Museums: https://sammlung.wienmuseum.at/en/search/?people=p11512

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