Sorgearbeit
Care matters in Kunst und Gesellschaft
Mit der Ausstellung CARE MATTERS der SAMMLUNG VERBUND hat die Kuratorin Gabriele Schor, die Gründungsdirektorin der Sammlung, das aktuelle gesellschaftspolitische Thema der Bedeutung, Wertschätzung und (Un-)Sichtbarkeit von Sorge- und Carearbeit aufgegriffen.
Zu den Begriffen Sorge- und Carearbeit eine kurze Anmerkung vorweg. Sorgearbeit ist der deutschsprachige Oberbegriff, der alle Tätigkeiten umfasst, die das Wohlergehen von Menschen sichern, von der Kinderbetreuung, der Pflege, den Tätigkeiten im Haushalt bis zur emotionalen Zuwendung. Care-Arbeit ist die englischsprachige Entsprechung und wird im Deutschen oft synonym verwendet, betont aber in seiner ursprünglichen Verwendung stärker die zwischenmenschliche Seite der Fürsorge und Zuwendung.
Ausgehend von den zentralen gesellschaftlichen Fragen: „Wenn Care-Arbeit essenziell für unser Zusammenleben ist – warum erfährt sie so wenig gesellschaftliche und ökonomische Anerkennung und Wertschätzung? Warum wird der Großteil der Sorgearbeit weiterhin von Frauen, oft unter prekären Verhältnissen, verrichtet?“ leistet die Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Wertschätzung und Sichtbarkeit der mehrheitlich von Frauen verrichteten Sorge- und Carearbeit.
Anhand von rund 50 Werken von 33 österreichischen und internationalen Künstlerinnen von den 1970er-Jahren bis heute wird gezeigt, wie feministische Kunst die verschiedenen Aspekte dieser umfassenden Thematik aufgreift und umsetzt.
Durch eindrückliche und oft provakante Werke kritisieren Künstlerinnen die einer traditionellen Rollenaufteilung entsprechenden gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an Frauen und die daraus resultierende ungleiche Aufteilung der Sorge- und Carearbeit.

Courtesy SAMMLUNG VERBUND, Wien. © Kelly O‘Brien
Die in fünf Räume gegliederte Ausstellung zeigt dabei den künstlerischen Wandel von der Feministischen Avantgarde der 1970er-Jahre bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten. Dabei geht es um die wesentlichen Bereiche der Sorge- und Carearbeit und jene Tätigkeiten, die den Alltag bestimmen und meist von Frauen im Verborgenen geleistet werden.
Die Ausstellung beginnt mit dem als „weiblichen“ Ort definierten Raum der Küche und der Rolle der Hausfrau. Der nächste Abschnitt der Ausstellung widmet sich der Auslagerung von Sorgearbeit, der zeigt, dass nicht nur unbezahlte, sondern auch die bezahlte Arbeit im Haushalt überwiegend von Frauen verrichtet wird. Die Kunstwerke verweisen in diesem Zusammenhang auf Rassismus, Kolonialismus oder soziale Benachteiligung.

Courtesy SAMMLUNG VERBUND, Wien. © Lorna Simpson
Weitere Themen sind die Vereinbarkeit von Elternschaft und KünstlerInnen-Karriere im Kontext des Kunstbetriebs sowie die Altenpflege und Caring Communities, jene Gemeinschaften, in denen Menschen sich über familiäre Grenzen hinaus gegenseitig unterstützen.
Den Abschluss bildet der Raum mit dem Titel Equal Care JETZT!, in dem die Unzufriedenheit mit der Last des Sorgetragens in den Kunstwerken zum Ausdruck kommt.

Digitalprint auf Affichen-/Bluebackpapier, zwei Alurohre
Courtesy SAMMLUNG VERBUND, Wien
© Christine Lederer / Bildrecht, Wien 2026
Foto: Mark Mosman
Halbe-Halbe in der Sorge- und Carearbeit ist noch lange nicht verwirklicht: In Österreich lag der Gender Care Gap, der den Unterschied beim zeitlichen Aufwand von geleisteter privater unbezahlter Care-Arbeit zwischen Mann und Frau angibt, im Jahr 2024 im Durchschnitt bei 71 Prozent!
Die in der Ausstellung gezeigten durch Künstlerinnen geschaffenen Werke vermitteln die Bedeutung und Wertschätzung für Sorge- und Carearbeit und tragen zur Sichtbarkeit der für ein funktionierendes kapitalistisches System wesentlichen Arbeit, die mehrheitlich von Frauen verrichtet wird, bei.
Die Ausstellung ist in der Albertina noch bis 28. Juni 2026 zu sehen!
Adresse: Albertinaplatz 1, 1010 Wien http://www.albertina.at
Öffnungszeiten: täglich von 10:00 – 18:00 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10:00 – 21:00 Uhr
Katalog: Care Matters. Kunst aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien. Hrsg. Gabriele Schor. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2026

(Kunstwerk: Nicole Wermers, Reclining Female #6, 2024)