Die Schönheit von Pflanzen
Neue Perspektiven
Die Ausstellung „TWO VIEWS ON PLANTS“ im Naturhistorischen Museum Wien lässt die BesucherInnen die Vielfalt und Schönheit der Pflanzen neu sehen. Dass diese Ausstellung in den Sonderausstellungsräumen des Naturhistorischen Museums in Wien bezeigt wird, steht in engem Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Botanische Sammlung des Naturhistorischen Museums mit geschätzten 5,5 Millionen Belegen zu den zehn größten Sammlungen der Welt gehört.
In der exklusiv für das NHM Wien gestalteten Präsentation sind Bilderserien und eine Videoinstallation von Sebastian Cramer zu sehen, die durch den Einsatz der modernen Technik der 3D-Fotografie und innovativer Bildgestaltung völlig neue Perspektiven auf die Pflanzenwelt eröffnen.

Sebastian Cramer, in Berlin geboren, ist ein vielfach mit internationalen Preisen ausgezeichneter Fotograf, Regisseur und Kameramann für Werbefilm, Content-Produktionen, Dokumentationen, Musikvideos und Spielfilm.
Die Idee zu diesem Projekt entstand durch die Betrachtung von im Wind wehenden Fruchtständen einer Waldrebe. Auf der anderen Seite stand die Beschäftigung mit der Stereoskopie, bei der zwei leicht versetzte Bilder ein räumliches Seherlebnis vermitteln. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Stereoskopie zu einem Massenmedium, das im 20. Jahrhundert jedoch weitgehend in Vergessenheit geriet.

Fasziniert von der Tatsache, dass allgemein gültige Gestaltungs-Prinzipien hinterfragt werden mussten, wenn man der Bildgestaltung einen neuen Aspekt, die dritte Dimension, hinzufügt, entwickelte Sebastian Cramer ausgehend von der Frage, wie ein Bild aussehen muss, um in 2D und 3D gleichermaßen interessant zu sein, die traditionelle Stereofotografie weiter. Dabei bewegen sich die Fotografien, wie Sebastian Cramer erläutert, „bewusst auf der Schwelle zwischen Dokumentation und Imagination“.
Die in den Jahren 2019 und 2020 entstandene Fotoserie Alcoplants zeigt 3D-Fotografien historischer Flüssigpräparate von Pflanzenbelegen aus der Botanischen Staatssammlung München. In der Serie Mandalas, die zwischen 2017 und 2023 entstand, geht es anhand von blühenden Zweigen, Astverflechtungen und organischen Mustern um Symmetrie, Wiederholung und räumliche Tiefe.

© Sebastian Cramer
In der aus den Jahren 2024 und 2025 stammenden Serie Zwischen Maschine und Poesie werden durch Linescan-Fotografien sowohl Raum als auch der Fluss der Zeit abgebildet. Die in den Jahren 2024 und 2025 angefertigte Videoinstallation “Time Passages“ macht die Zeit über alle Jahreszeiten hinweg sichtbar.
Beim Eingang zur Ausstellung gibt es 3D-Brillen zum Ausleihen, die das Seherlebnis zu etwas Besonderem machen, da durch die 3D-Brille betrachtet sich die Pflanzen zu beeindruckenden fotografischen Skulpturen entfalten.
„Dies ist eine seltene Gelegenheit zu verstehen, dass man das Sehen noch nicht zu Ende gelernt hat…Geben Sie niemals die Bereitschaft auf, Schönheit und Wunder zum ersten Mal zu sehen“ schreibt der Filmemacher Wim Wenders dazu im Vorwort zum Buch zur Ausstellung.
Gleichzeitig macht Sebastian Cramer mit seinen künstlerischen Arbeiten auch auf einen anderen, in der heutigen Zeit besonders wichtigen Aspekt aufmerksam: „In einer Zeit ökologischer Krisen wird auch das Sehen politisch. Die Art und Weise, wie wir Natur betrachten, wie wir sie zeigen, sie ästhetisch verarbeiten, prägt unser Verhältnis zur lebendigen Welt.“

Die Ausstellung ist noch bis 1. März 2026 zu sehen!
Adresse: Naturhistorisches Museum Wien, Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien https://www.nhm.at/
Öffnungszeiten: Mittwoch 09:00 – 20:00 Uhr, Donnerstag bis Montag 09:00 – 18:00Uhr, Dienstag geschlossen
Buch zur Ausstellung: Sebastian Cramer, Two Views on Plants. A Stereoscopic Photo Book. Hatje Cantz Verlag, Berlin 2022