Anni Albers

Anni Albers

Constructing Textiles – Webkunst – Textildesign

Anni Albers war eine der bedeutendsten KünstlerInnen und DesignerInnen des 20. Jahrhunderts. Als Weberin, Textildesignerin, Druckgrafikerin, aber auch als Theoretikerin und Pädagogin hat sie maßgeblich dazu beigetragen, Webkunst und Textildesign als Kunstform zu etablieren und war eine der WegbereiterInnen für die Aufhebung der Trennung zwischen freier und angewandter Kunst.

Ihr umfangreiches Schaffen von den Anfängen im Bauhaus in Deutschland und ab 1933 in den Vereinigten Staaten bis hin zu ihrem Spätwerk als Druckgrafikerin wird in der Ausstellung “Anni Albers. Constructing Textiles”, die vom Zentrum Paul Klee/Bern, der Josef und Anni Albers Foundation/Bethany, Connecticut, in Zusammenarbeit mit dem Belvedere Wien organisiert wurde, vorgestellt.

Anni Albers mit ihrer Arbeit Two, New Haven, Connecticut,1952.Foto: New Haven Evening Register. Bild mit freundlicher Genehmigung der Josef and Anni Albers Foundation © The Josef and Anni Albers Foundation / Bildrecht, Wien 2026

Anneliese Else Frieda Fleischmann wurde 1899 in Berlin in eine großbürgerliche Familie geboren. Bereits während ihrer Schulzeit konnte sie privaten Kunstunterricht nehmen. Mit 17 Jahren besuchte sie das Studienatelier für Malerei und Plastik von Martin Brandenburg in Berlin, wo sie eine dreijährige akademische Ausbildung absolvierte und danach die Hamburger Kunstgewerbeschule.

Im Jahr 1922 begann sie ihr Studium am Bauhaus in Weimar, wo Paul Klee und Gunta Stölzl, die Leiterin der Textilwerkstatt, zu ihren LehrerInnen gehörten. 1925 heiratete sie Josef Albers, der als Lehrer (“Meister”) am Bauhaus wirkte. Als erste Weberin am Bauhaus erhielt sie 1930 ihren Diplomabschluss und wurde 1931/32 stellvertretende Leiterin der Werkstatt. In ihre Zeit am Bauhaus fällt der Beginn ihres vielfältigen Schaffens.

Nachdem das Bauhaus von den Nationalsozialisten 1933 geschlossen wurde, wanderten sie und ihr Mann in die Vereinigten Staaten aus. Dort war zur gleichen Zeit in North Carolina das fortschrittliche Black Mountain College gegründet worden, wo sie auf Einladung von Philipp Johnson unterrichten konnten. Dort hat Anni Albers 1934 auch den Webkurs initiiert, geleitet und durch ihre eigenen pädagogischen Methoden und die Entwicklung eines neuen innovativen Lehrplans, der traditionelle Handwebtechniken mit moderner Kunst und Industriedesign verband, geprägt.

Anni Albers, Knot, 1947. Foto: Tim Nighswander / Imaging4Art © The Josef and Anni Albers Foundation / Bildrecht, Wien 2026

Gleichzeitig konnte sie sich in den Vereinigten Staaten eine Karriere aufbauen und fand als Designerin und Künstlerin Anerkennung. 1949 hatte sie als erste Textilkünstlerin eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York. Diese Ausstellung wurde in den folgenden drei Jahren an 26 weiteren Orten in den USA und Kanada gezeigt. Sowohl die Ausstellung selbst als auch die positiven Presseberichte darüber machten ihr Werk einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Im selben Jahr verließen sie und ihr Mann das Black Mountain College, da Josef Albers (1888-1976) eine Berufung zum Leiter des Fachbereichs für Design an der Yale University erhalten hatte und zogen nach Connecticut um, wo beide ihre Karrieren weiterverfolgt haben. Anni Albers arbeitete in diesen Jahren als Textildesignerin, schrieb aber auch theoretische Werke, darunter ihr bekanntestes Werk “On Weaving”, das 1965 erschienen ist.

Anhand von Materialstudien, Textilmustern, Textilentwürfen, Bildgeweben, Teppichen, großformatigen Raumteilern und Vorhangstoffen wird die Vielfalt des Werks in der Ausstellung sichtbar. Nachdem Anni Albers ihre letzte Bildweberei “Epitaph” fertiggestellt hatte, widmete sie sich ab 1968 der Druckgrafik und Arbeiten auf Papier. Beispiele für diese Schaffensphase sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Anni Albers, Sheep May Safely Graze, 1958. The Museum of Arts and Design, New York, gift of Karen Johnson Boyd, through the American Craft Council, 1977 © The Josef and Anni Albers Foundation / Bildrecht, Wien 2026

Geprägt wurde das Schaffen von Anni Albers sowohl von ihrer Zeit am Bauhaus, wo Textilkunst als experimentelle Praxis, die Material, Technik und Funktion verbindet, gelehrt wurde, als auch von der Auseinandersetzung mit der Textilkunst präkolumbianischer Kulturen und ihrer lebenslangen Beschäftigung mit fernöstlicher Philosophie.

Ein wesentlicher Aspekt ihrer Arbeit ist, dass sie Textilien als Teil der Architektur verstanden hat, die zugleich Gebrauchsgegenstände und eigenständige Kunstwerke sein können. Dazu kam ihre intensive Beschäftigung und ihr großes Verständnis für das verwendete Material, wobei sie mit natürlichen und synthetischen Materialien experimentierte.

“In all ihren Bemühungen ging es Anni Albers stets darum, das Weben als eine Art Konstruktion mit Fäden zu begreifen – als ein beständiges Experimentieren mit neuen Materialien und als wesentlicher Bestandteil der Architektur.” (Brenda Danilowitz, Fabienne Eggelhöfer, Anni Albers, Constructing Textiles, S.13)

Im Jahr 1985 wurde eine Retrospektive unter dem Titel “The Woven and Graphic Art of Anni Albers” in der Renwick Gallery des Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C. veranstaltet.

Anni Albers ist 1994 in Connecticut verstorben. Mit ihrem Werk hat diese außergewöhnliche Künstlerin das Verständnis von Textildesign im 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt und inspiriert bis heute KünstlerInnen, DesignerInnen und ArchitektInnen.

Anni Albers, Camino Real (Detail), 1968. Entwurf für das Hotel Camino Real, Mexiko-Stadt, Mexiko, ausgeführt von Abacrome Inc., New York. Glenstone Museum / Bildrecht, Wien 2026

Die Ausstellung ist bis 16. August 2026 im Unteren Belvedere zu sehen!

Adresse: Unteres Belvedere, Rennweg 6, 1030 Wien https://www.belvedere.at/besuch/unteres-belvedere

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10:00-18:00 Uhr

Trailer zur Ausstellung: https://www.youtube.com/watch?v=yc12JnnDu44

Buch zur Ausstellung: Anni Albers. Constructing Textiles. Hg. Brenda Danilowitz, Fabienne Eggelhöfer, Stella Rollig, Nina Zimmer. Hatje Cantz Verlag, Berlin 2025

Siehe auch:

Bauhaus: https://www.diespurensucherin.at/bauhaus-101/

Gunta Stölzl: https://www.diespurensucherin.at/gunta-stoelzl/

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